Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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Hauptwerk freilich wurde dann der wuchtige Darstellungsband ,, Haus und Hof deut-scher Bauern, Band 2: Westfalen- Lippe"( Münster ¹1960), der seither mehrfacheAuflagen erlebt hat. Mit ihm legte sein Verfasser zugleich den Grund für die Vorbe-reitung und Errichtung des Westfälischen Freilichtmuseums in Detmold, dessenAufbau und Ausbau Schepers noch selbst bewerkstelligen konnte. Trotzdem betrieber bis in sein hohes Alter seine Forschungen zum mittel- und westeuropäischen Haus-bau weiter, unter denen einzelne, wie über Stand und Aufgaben der nordwestdeut-schen Hausforschung( 1953), über Ofen und Kamin in der Festschrift für JostTrier( 1954), über ,, Westfalen in der Geschichte des nordwestdeutschen Bürger- undBauernhauses"( 1965) oder über Mittelmeerländische Kultureinflüsse in der Bau-und Wohnkultur des westlichen Mitteleuropas" in der Festschrift für Bruno Schier( 1967) und über Münsterländische Speichergeschichte im europäischen Zusam-menhang"( Münster 1985), bleibenden Wert und ihre Gültigkeit haben werden. Estrifft also durchaus zu, wenn Günther Wiegelmann von ihm sagt: Seine Publikatio-nen zeichnen sich aus durch einen weiten Blick in bezug auf die Aspekte, unter denendas Haus gesehen wird, im historischen Zugriff und vor allem in der Breite der stetsbeachteten regionalen Einflüsse."*)

Und dennoch ist damit von diesem Manne noch nicht alles gesagt, was ihn unsunvergessen machen wird. Seine häbig bedächtige und stets überlegt besonneneWesensart verriet jedem, der mit ihm in Kontakt kam, vom ersten Augenblick anden Westfalen, der in Unterhaltung und Rede gerne das unverkennbare Platt seinerHeimat einfließen ließ und sich auch nicht so schnell aus seiner gefestigten und durchunendlich reiche Felderfahrungen gestützten Auffassung der Dinge bringen ließ.Schepers kam aus der germanistischen Schule von J. Trier und verband den Vorzuggediegener philologischer Gründlichkeit mit einer reichen Lebenserfahrung. Wie somanche aus seiner Generation trafen auch Schepers die bösen Wirrnisse und derUngeist der NS- Zeit. Seine Geradheit und seine nüchtern- historische Einstellungbrachten ihn alsbald in Gegensatz zur damals herrschenden Parteiideologie undmachten es ihm nicht eben leicht, überhaupt bestehen zu können. Er wurde zurück-gesetzt und geriet wie so viele in die Räder einer erbarmungslosen Kriegsmaschine-rie. Aber seine fachlichen und menschlichen Qualitäten ließen ihn auch dieses über-stehen und brachten ihm nach dem Kriege alsbald Anerkennung und ein hohes Ver-trauen selbst in internationalen Fachkreisen ein, mit dem er als Vorsitzender desArbeitskreises für Hausforschung und Museumsdirektor wie als Forscher bis in seinhohes Alter hinein zu Erfolg und Ansehen gelangte. Wer ihn freilich selbst kennen-gelernt hatte, wird auch den aufrechten und herzensguten Menschen und FreundJosef Schepers nicht vergessen, als der er seinen jungen Studenten wie den altenFachfreunden unverlöschlich in Erinnerung bleiben wird.

Oskar Moser

Hans Trumpy+

Erst im 73. Lebensjahr stehend, verstarb am 1. Mai 1989 der emeritierte Ordina-rius für Volkskunde der Universität Basel, Professor Dr. Hans Trümpy.

*) Günter Wiegelmann, Josef Schepers als Forscher und Lehrer. In: Konrad Bedal( Hrsg.), Hausbau im Mittelalter III(= Sonderband 1988 des Jb. f. Hausforschung), Sobernheim/Bad Windsheim 1988, S. XV.

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