Josef Schepers+( 1908-1989)
Im Jänner dieses Jahres überraschte uns die Nachricht vom Tode eines Mannes,der als Mensch und Freund wie als Fachwissenschafter und Museologe vor allem inder Hausforschung vielen Vertretern und Freunden dieser Forschungsrichtung einfester Begriff war, ja der vielen auch persönlich nahestand. Josef Schepers, einer derBegründer und erster Direktor des Westfälischen Freilichtmuseums in Detmold,langjähriger Vorsitzender des Arbeitskreises für Hausforschung und Honorarpro-fessor an der Universität Münster, ist am 17. Jänner 1989 im 81. Lebensjahr in Mün-ster i. W. verstorben.
Wer den äußerst erfolgreichen wissenschaftlichen Entwicklungsgang gerade in derHausforschung Mitteleuropas auch nur annähernd überblickt und verfolgt, dem wirdder Name Schepers und dessen Bedeutung für diese Entwicklung schnell und auchunvermittelt begegnen, und zwar als die eines Mannes, der sich als Schüler von JostTrier( 1894-1970) schon um die Mitte der dreißiger Jahre der Hausforschungzuwandte und der später durch sein gesamtes Wirken noch an der Seite von GustavWolf, dem Initiator und Herausgeber des großen Aufnahmewerkes„ Haus und Hofdeutscher Bauern", im Rahmen des legendären Münsteraner Arbeitskreises fürHausforschung in vielem bahnbrechend war und in deren Entwicklung weitere undweitreichende Akzente setzte. In praktischer Vollziehung der schon vor ihm imRheinland und namentlich von Bruno Schier( 1902-1984) geforderten Ausweitungeiner vergleichbaren, bauanalytischen Hausforschung, grenzüberschreitend übergroße, ja kontinentweite Regionen, hatte Josef Schepers, ausgehend von seinerwestfälischen Heimat und von Nordwestdeutschland, die systematische Aufnahmevon Hausformen und von deren Baugefügen fruchtbar gemacht und auf seine eige-nen engeren Arbeitsfelder rückwirken lassen. Sein wichtigstes methodisches Instru-ment war dabei die von J. Trier und vor allem von ihm selbst entwickelte und einge-führte sogenannte„ Gefügeforschung", d. h. die Erforschung der Bau- und Verzim-merungsarten am nordwestdeutschen Hallenhaus. Schepers unternahm als ersterden Versuch, systematisch und über größeren Raum, dabei zeitlich und räumlichfixierend, aufgrund genauer Bauaufnahmen Hausgerüst- und Baugefügeforschungzu betreiben. Unter„ Baugefüge“ verstand Schepers dabei das Zusammenwirkenaller Einzelteile im zweck- und sinnbestimmten Ganzen eines Bauwerkes und sahdieses stets in aller seiner Wechselwirkung mit der funktionalen, sozialen und sinn-tiefen Ordnung des Lebens, das sich in so strukturierten Hausbauten entfaltete undabspielte. Zugleich bildete diese seine Methode der Gefügeforschung vor dem Auf-kommen praktikabler naturwissenschaftlicher Methoden der Zeitdatierung vonBauhölzern die verläßlichste Grundlage für die Altersbestimmung von Bauwerkensowie für die Rekonstruktion älterer bzw. ursprünglicher Bauzustände. Scheperswurde damit einer der Mitbegründer der historischen Hausforschung im engerenSinn, durch die erst eine präzisere Verknüpfung der Hausbaugeschichte im vernaku-lären Bereich mit dem gesamten übrigen kulturgeschichtlichen Kontext im Hausbaumöglich geworden war.
Diese seine grundlegenden Neuerkenntnisse hat Josef Schepers bereits in seinemErstlingswerk über„ Das Bauernhaus in Nordwestdeutschland"( Münster ¹1943,21978) niedergelegt und hier auch entscheidend zur Abklärung und wortgeschichtli-chen Erläuterung des hauskundlichen Begriffsapparates beigetragen. Sein späteres
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