Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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Gedankt sei abschließend zunächst der Direktion des Österreichischen Museumsfür Volkskunde für die freundliche Förderung und dem Bundesministerium für Wis-senschaft und Forschung für die Ermöglichung der Reise, sodann aber ganz beson-ders herzlich allen Kolleginnen und Kollegen in Polen, die in beispielhafter Gastlich-keit das Unternehmen zu einem ersprießlichen und angenehmen Erlebnis für unsgemacht haben.

Hans- Ulrich Bentzien

( 1934-1987)

Felix Schneeweis

Mit einiger Verspätung und zunächst nur über ein zufälliges privates Gesprächmußten wir von dem unerwarteten Tod Hans- Ulrich Bentziens in Rostock/ BerlinKenntnis nehmen. Mit ihm verliert nicht nur die Volkskunde in der DDR einen ihrerprofiliertesten Gelehrten und Sachforscher, ganz Mitteleuropa trifft damit der Ver-lust einer Forscherpersönlichkeit, die ebenso durch ihre Besonnenheit und ihre pro-funde Sachkenntnis wie durch ihr Urteil auf sich aufmerksam gemacht hat.

Hans- Ulrich Bentzien war am 12. 4. 1934 in Stralsund geboren. Er studierte an derUniversität Greifswald Germanistik und trat 1957 als wissenschaftlicher Assistent imInstitut für deutsche Volkskunde zu Berlin in Dienst. Schon 1968 habilitierte er sichfür Volkskunde. Sowohl durch seine Textausgaben zur Volksdichtung, insbesondereaus dem Nachlaß Richard Wossidlos( über niederdeutsches Seemannsleben, meck-lenburgische Volksüberlieferungen, Rätsel), wie auch durch seine grundlegendenArbeiten über ,, Hof und Wirtschaft der Ribnitzer Bauern"( gemeinsam mit KarlBaumgarten, Berlin 1963) und vor allem über Haken und Pflug- Eine volkskund-liche Untersuchung zur Geschichte der Produktionsinstrumente im Gebiet zwischenunterer Elbe und Oder( Berlin 1969) sowie durch seine zusammenfassende Über-schau zur, Bauernarbeit im Feudalismus( Berlin 1980) wurde H.-U. Bentzien raschbekannt. Den Grund dazu legte er sich durch umfassende historische Quellenarbeitund eine breite Erschließung der Inventare, deren linguistisch- historische Methodeer bereits in seinem Erstlingswerk über das Ribnitzer Klosterinventarium von 1620erprobte und dann namentlich für seine Pflugforschungen glänzend verwertenkonnte. Sein Hauptwerk über Haken und Pflug" im östlichen Niederdeutschlandwie auch seine geschichtliche Darstellung über die Bauernarbeit im Feudalismussind bleibende Früchte eines unendlich fleißigen und erfolgreichen Forscherlebensund stützen sich auf eine Anzahl gewichtiger Einzeluntersuchungen und-beiträge,von denen manche, wie etwa seine Kurzmonographie und Datierung nach der C14-Methode( Radiokarbon- Analyse) des berühmten Hakenpfluges von Dabergotz( Tools& Tillage 1968), seine Fortschritte und Fortschrittsträger der deutschenLandwirtschaft( JVK 1978), seine Einzelveröffentlichungen von Nachlaßverzeich-nissen oder zuletzt seine Periodisierung der landwirtschaftlichen Arbeitswelt imFeudalismus und im Kapitalismus( 1987), immer mit seinem Namen verbundenbleiben werden. Sie überzeugen durch ihre Gründlichkeit, Umsicht und methodi-sche Klarheit und können in vielem wohl als beispielhaft gelten.

Hans- Ulrich Bentzien hat stets auch die Realienforschung und die volkskundlicheGeräteforschung in Österreich aufmerksam mitbeobachtet und sie durch seine sach-liche Kritik ebenso wie durch seine nachhaltige Hilfe gefördert. Sein plötzlicher Todläßt auch für uns eine schmerzliche und spürbare Lücke entstehen.Oskar Moser

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