der Möbelindustrie und des Möbelhandels sowohl zur Information als auch zurManipulation der Verbraucher eingesetzt werden: Musterbücher, Kataloge, Zeit-schriften, Messen und vieles mehr.
Die Gegenwartsvolkskunde als eine empirische Kultur- und Sozialwissenschaftbeschäftigt sich vornehmlich mit der Wohnkultur unserer Zeit. Dabei bleibt sie aberweiterhin eine historische Wissenschaft, das heißt: es wird nicht nur der heutigeStand der Wohnkultur untersucht, sondern auch ihr Wandel in einem bestimmtenZeitraum dokumentiert. Ein wichtiges Instrumentarium ist dabei die in der Volks-kunde schon seit ihren wissenschaftlichen Anfängen( Ende des 19. Jahrhunderts)angewandte Methode der direkten Befragung. Heute ist diese unter der Bezeich-nung ,, Oral history" bekannt und wird auch von anderen Forschungsdisziplinen ein-gesetzt.
Ein zentrales Anliegen der Ausstellung ist es, Aspekte heutiger Wohnkultur amBeispiel der Wohnstile, der Funktionen der Wohnräume, am Wohnverhalten undden Wohnformen zu zeigen sowie die sozioökonomischen und altersspezifischenBedingungen darzulegen. In der zeitlichen Dimension von Vormärz und Bieder-meier bis zur Gegenwart soll der Wandel sowohl der bürgerlichen als auch der Arbei-terkultur angedeutet werden, um so die Formen heutiger Wohnkultur besser ver-ständlich zu machen.
Diese Ausstellung soll einen Einblick in die volkskundliche Betrachtungsweisevermitteln und außerdem auf den notwendigen interdisziplinären Zugang zu dieserProblematik verweisen.
Vera Mayer
Bericht
über die Feldforschungsreise im September 1988
nach Krakau und Südpolen
Die Anreise führte Barbara Mersich und mich über Brünn und Olmütz und durchOberschlesien nach Krakau, wo wir zunächst den Direktor des EthnographischenMuseums Krakau, Doz. Dr. E. Pietraszek, an seinem Amtssitz aufsuchten. Nacheinem kurzen informativen Rundgang durch die aktuelle Sonderausstellung über,, Krakauer Trachten" erfolgte die( getrennte) Unterbringung in Privatquartierenund ein erster Rundgang durch die Krakauer Altstadt.
Dienstag, 20. September: Zunächst erfolgte eine ausführliche Besichtigung dereinzelnen Abteilungen des in Übersiedlung und Umbau befindlichen Ethnographi-schen Museums, welche derzeit größtenteils noch im ehemaligen Rathaus des Stadt-teils Kazimierz untergebracht sind. Besonders interessant die Textildepots, derenreiche Bestände einen informativen Hintergrund für die entsprechenden Sammlun-gen in Kittsee darstellten. Aber auch die anderen Abteilungen( Kunst, außereuro-päische Bestände, Möbel, Geräte, Papierkunst und-kitsch und andere) boten Ver-gleiche und Anregungen von großer Wichtigkeit. In den Pausen bot sich noch dieGelegenheit, unter der fachkundigen Führung von Dr. Wolski einige wichtige histo-rische Stätten( Skalka- Kirche mit Ehrengräbern, die Fronleichnamskirche) zubesichtigen, was den historischen Überblick wesentlich erweiterte.
Mittwoch, 21. September: Eine Autoexkursion führte von Krakau zunächst in denOrt Lanckorona. Rund um den Marktplatz befindet sich ein geschütztes Ensemble
143