Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
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Die Bewußtmachung der Dynamik historischer Veränderungen, die auch all jeneBereiche betreffen, die uns häufig als die immer konstanten Faktoren des Lebenserscheinen, macht eine Bestimmung unseres Standortes überhaupt erst möglich.Hubert Christian Ehalt

Frau Dr. Mayer gab eine kurze Einführung zur Präsentation und zum Ziel dieserAusstellung:

Die Wohnkultur ist eine vielschichtige kulturelle Erscheinung, und bei ihrem Stu-dium gibt es daher mehrere theoretische und methodische Forschungsansätze.Kunst- und Architekturgeschichte erforschen hauptsächlich die historisch undsozioökonomisch bedingten Aspekte der Stilkunst, also die Entwicklung architekto-nischer Formen und räumlicher Strukturen sowie die Stile von Architektur undMöbeleinrichtung.

Die moderne Volkskunde begreift Wohnkultur nicht nur als ein ästhetisch-geschmackliches Phänomen, sondern betrachtet diese- umfassender- vor allemunter dem Gesichtspunkt der Bau-, Raum-, Funktions- und Sozialstruktur, wobeinicht das Haus oder die Möbel, sondern der Mensch im Vordergrund der Überlegun-gen steht. Es handelt sich hierbei um eine schichtspezifische Betrachtungsweise,wonach die Wohnkultur und das Wohnverhalten aller Bevölkerungsgruppenerforscht werden. Das Spektrum umfaßt somit zum Beispiel die Wohnweise einesHofrats, Künstlers oder Managers genauso wie die eines Bankangestellten odereiner Verkäuferin; aber auch die Wohnweise einer Familie, von Alleinstehenden,Jugendlichen und Pensionisten; nicht zu vergessen sind Ausländer, Gastarbeiter,Obdachlose und viele andere.

Für die Volkskunde ist ebenso die Frage nach den vielseitigen Funktionen desWohnens von Interesse:

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biologische Funktionen: Schutz vor Witterungseinflüssen, Essen, Schlafen,Hygiene und andere vitale Bedürfnisse;

psychische Erfordernisse: Sicherheit, Schutz und Geborgenheit, Abgrenzung zurAußenwelt;

soziale Funktionen: Kommunikationsmöglichkeit mit Familie, Freunden undBekannten;

kulturelle Aufgaben: Bildung, Erziehung, Erholung und Freizeit, Selbstverwirk-lichung;

wirtschaftliche Funktionen: Für manche Berufstätige ist die Wohnung auchArbeitsplatz.

Die Wohnungseinrichtung stellt einen deutlichen sozioökonomischen Indikatordar. Darüber hinaus könnte man sagen, daß in den Wohnstilen eine Art Weltan-schauung zum Ausdruck kommt. Die Volkskunde fragt daher nicht allein nach demStil, sondern auch danach, warum wir uns gerade so einrichten. Die Motivation alsoist entscheidend. Zum Inhalt volkskundlicher Überlegungen gehört es, neben demVergleich von Wohnstilen der verschiedenen Sozialgruppen, etwa den Unterschiedzwischen elitären, meist von Architekten und Künstlern entworfenen Interieurseinerseits sowie den realen Wohnwünschen und dem tatsächlichen Gebrauch vonEinrichtungsgegenständen durch breitere Bevölkerungskreise andererseits deutlichzu machen. Es soll weiters versucht werden, die Mittel aufzuzeigen, die seitens

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