Unser Wunsch für künftige Tagungen läßt sich mit einem Satz des österreichischenArbeiterführers Otto Bauer, wie ihn H. P. Fielhauer, einer der Initiatoren derDGV- Kommission ,, Arbeiterkultur", in„, Volkskunde und demokratische Kulturge-schichtsschreibung“ als Motiv für„ seine“ Volkskunde zitiert, ausdrücken:„ Manmuß viel öfter zu den Menschen gehen, um zu hören, was sie zu sagen haben, undnicht, damit sie hören, was wir sagen!"
Wien-- Wohnen im Wandel.
Hannelore FielhauerGertraud Liesenfeld
Vom Vormärz bis zur Gegenwart. Volkskundliche EindrückeEröffnung einer Sonderausstellung im Österreichischen Freilichtmuseum
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Graz- Stübing
Am 9. Mai 1989 ist im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing die Sonderaus-stellung ,, Wien Wohnen im Wandel“ eröffnet worden. Diese Ausstellung wurdevom Kulturamt der Gemeinde Wien veranstaltet, wobei die Konzeption und dieAusführung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gegenwartsvolkskunde derÖsterreichischen Akademie der Wissenschaften erfolgte. Dr. Vera Mayer( Institutfür Gegenwartsvolkskunde) versuchte in den wenigen Monaten, die ihr zur Verfü-gung standen, Aspekte des Wandels der Wohnkultur in der Bundeshauptstadt Wienaufzuzeigen. Anhand von Bildern werden historische Wurzeln bis ins Biedermeierund in den Vormärz zurückverfolgt. Reiches Fotomaterial bietet Einblicke in heu-tige Wohnformen, in alters- und schichtspezifische Nutzungen und Ausgestaltungender Räume. Ausgehend von dieser Ausstellung, die naturgemäß nur ein kleinesSpektrum zeigen kann und viele Fragen offen läßt, wird das Institut für Gegenwarts-volkskunde ein Projekt über gegenwärtige großstädtische Wohnformen erarbeiten.Anläßlich der feierlichen Eröffnung in Stübing sprach als Vertreter des Kulturamtesder Stadt Wien Univ.- Doz. Dr. Hubert Christian Ehalt:
,, Sehr geehrter Herr Minister!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich freue mich, als Vertreter Wiens, unseres Herrn Bürgermeisters Dr. HelmutZilk, zu Ihnen sprechen zu dürfen. Die Idee zu dieser Ausstellung wurde von HerrnMinister Dr. Drimmel geboren, gemeinsam mit Hofrat Dr. Pöttler und sehr baldauch mit Hofrat Dr. Beitl, gehegt und weiterentwickelt und nun in Zusammenarbeitmit dem Institut für Gegenwartsvolkskunde der Österreichischen Akademie derWissenschaften, dem Österreichischen Museum für Volkskunde, dem Freilichtmu-seum und der Stadt Wien realisiert. Die Stadt Wien ist mit den genannten Institutio-nen in freundschaftlichen Kooperationsbeziehungen, und es ist keine leere Höflich-keit, wenn ich sage, daß sich dieser freundschaftliche Austausch in einer harmoni-schen Zusammenarbeit beim Zustandekommen der Ausstellung bewährt und gefe-stigt hat.
Bei der Formulierung des Themas für die Ausstellung standen wir vor der Frage,was die Stadt Wien in einem der Präsentation ländlicher Baukultur und ländlicherBautraditionen verpflichteten Museum zeigen soll. Zur Diskussion stand die Dar-stellung der ländlichen Anteile am städtischen Leben, von Anfang an aber auch dieallgemeinere Frage nach den Veränderungen der Wohnkultur in der Stadt im histo-rischen Wandel. Im Sinne der neueren Forschungsergebnisse der Sozialgeschichte,
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