Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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Chronik der Volkskunde

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Volkskultur und Rundfunk"

Symposion über Anspruch und Wirklichkeit des Populären in der RundfunkarbeitDie Rückseite des Programms zu diesem Symposion ,, Volkskultur und Rundfunk"zeigt eine lustige Karikatur: Zwei nicht sehr friedliche Hündchen sitzen vor einemElektroherd, in dessen offenem Backrohr ein Brathuhn schmort. Im Text daruntersagt der eine zum andern: Gewiß, es passiert nichts Besonderes, aber irgendwiegefällt mir die Sendung!" Damit ist eigentlich gekennzeichnet, in welcher Situa-tion wir sind. Nach den neuesten Erhebungen und Hörerumfragen verzeichnen Sen-dungen, die Volksmusik und auch sonstige volkskulturelle Inhalte aufweisen,namentlich bei den Erwachsenen Einschaltziffern bis zu 50% und darüber. Und den-noch sind dies Programmbereiche, die im allgemeinen und offiziellen Programm-auftrag des Österreichischen Rundfunks gar nicht genannt und aufgenommenerscheinen. Hier allein schon zeigt sich eine Problematik, die sich bei der zunehmen-den Programmdichte wie eine Schere immer weiter öffnet und die zweifellos nacheiner Klärung und auch kritischen Betrachtung verlangt. Weder die Rundfunkan-stalten und Produzenten dieser gewichtigen Massenmedien noch die beteiligten Ver-treter und Anwälte der sogenannten Volkskultur können demgegenüber gleich-gültig abseits stehen, seien es nun die, Ausführenden" von Volkslied und Volksmu-sik und gewisser Verbände oder die Vertreter der wissenschaftlichen Fachvolks-kunde und empirischen Kulturforschung.

Eine solche Kontaktaufnahme wurde nun erfreulicherweise neuerdings eingeleitetund fand als Symposion über Volkskultur und Rundfunk vom 27. 2. bis 1. 3. 1989im Bundesinstitut für Erwachsenenbildung St. Wolfgang" in Strobl statt. Eingela-den hiezu hat das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Sport über seineAbteilung für Erwachsenenbildung zusammen mit dem ORF über das LandesstudioSalzburg, womit ein Interessentenkreis reaktiviert wurde, der bereits in den fünfzi-ger Jahren mit einigem Erfolg für beide Seiten sogar grenzüberschreitend für dieSchweiz, die Bundesrepublik Deutschland und vor allem für Österreich in mehrerenJahresfolgen von Fachtagungen Bestand hatte. Die Anregung dazu ging diesmaldankenswerterweise von Frau Dr. Gerlinde Haid und Mag. Maria Walcher vomÖsterreichischen Volksliedwerk aus; sie besorgten auch die organisatorische undProgramm- Vorbereitung und leiteten in bewährter Weise das Symposion. Die Ver-anstaltung war ausgezeichnet durch die Anwesenheit der leitenden zuständigen

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