Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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Anschließend nimmt Ins zum Problem der Schutzgeister( Die Engel der Kinder,Das Daimonion, Jamblich, Der Beisitzer des Tempelschreibers, Das Perlenlied,Picatrix, Der Sohar) und in einem weiteren Kapitel zur Wirkungsgeschichte desWerkes von Abraham von Worms Stellung. Hier setzt er sich besonders mit AleisterCrowley, H. Campbell, A. M. E. und C. H. Petersen, Karl Johannes Germer,Walter Berger und Georges Chevalier auseinander.

Im Anhang bringt der Herausgeber von einer Selbstschilderung eines von Dämo-nen Heimgesuchten"- Auszüge eines Tagebuchs aus unserem Jahrhundert- sowieeine zweiseitige Literaturangabe.

Das ,, Buch der wahren Praktik ist eine Art Ritualschrift, welche sowohl gnosti-sche Spekulationen wie therapeutisches Denken aufweist, eine seltsame und wun-derliche Mischung verschiedenster Elemente und Vorstellungen.

Im Kreisen um das große Geheimnis ergeben sich nicht nur Verbindungslinienzu äthiopischen Zauberschriften, sondern ebenso zu Christian Rosencreutz. Will-Erich Peuckert hat ja diesen Fragenkomplex mehrfach angeschnitten- wir erinnernan seine Bücher ,, Von weißer und schwarzer Magie", Gabalia und Pansophie"- doch blieb es bisher schwierig, an die originalen Quellen heranzukommen. Dievorliegende sorgfältige Ausgabe ist für jeden, der sich mit der Geschichte der Zaube-rei und Hexerei befassen will, eine wesentliche Hilfe.

Felix Karlinger

Batiray Özbek, Erzählungen der letzten Tscherkessen auf demAmselfeld(= Ethnographie der Tscherkessen, 4). Bonn 1987, 136 Seiten.

Das vorliegende sehr sorgfältig und klug angelegte Buch verdient nicht nur wegenseiner zweisprachigen Erzähltexte, sondern auch wegen der gründlichen Einführungbesondere Beachtung. Es führt in die vorwiegend von Albanern bewohnte und imVorjahr durch die Unruhen bekannt gewordene Gegend um Kosovo in Jugoslawien. Die heute in Kosovo lebenden Tscherkessen können nicht präzise angeben, woihre Vorfahren in Zirkasien wohnten." Manches um diese Volksgruppe und ihreAuswanderung aus ihrer Stammheimat, nachdem diese unter russischem Druckstand, ist ungeklärt. Es mag sich um etwa 40.000 Tscherkessen gehandelt haben, diein dem damals noch unter türkischer Oberhoheit stehenden Jugoslawien angesiedeltworden sind.

Es ist als Glück zu betrachten, daß nun ein wesentlicher Teil des Erzählgutesdieser balkanischen Tscherkessen festgehalten worden ist, und ebenso, daß rund100 Seiten Texte im Original und in deutscher Übertragung uns zugänglich gemachtworden sind.

Was prima vista bei den Texten auffällt, ist das Dominieren der direkten Rede,überhaupt die wichtige Funktion des Dialogs. Originelle Texte-Wie der Fuchsdas Gold stahl"( S. 100)- vermitteln einen guten Begriff von der Erzähleigenartund ebenso von der Mentalität des Erzählers und seines Publikums. Bei manchenErzählungen läßt sich auch beobachten, daß sie noch heute kaukasischen Verhältnis-sen und Requisiten näher stehen als den balkanischen. So erschließen sie eine ganzeReihe von Zügen, die uns bisher aus dem serbischen und albanischen Erzählgutnicht bekannt gewesen sind.

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