Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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Kleider in der Literatur aus Vorarlberg) in ihren Referaten. Hier mag auch einegewisse Diskrepanz liegen zwischen der allgemeingültigen, übergeordneten Frage-stellung, die Brückner anstrebt, und den Erwartungen von Vorarlberger Seite, wiesie auch Rachbauer formuliert, wenn er, bezugnehmend auf den Titel der Ausstel-lung, schreibt:;, Unter unseren Bekleidungsgewohnheiten verstehe ich begründeter-maßen unsere in größere Zusammenhänge gestellten Vorarlberger Bekleidungsge-wohnheiten, die in einem Land mit textiler Geschichte wie dem unseren durchausbegründ- und herzeigbar sind und wohl auch vom künftigen Besucher erwartet wer-den".( S. 254)

Wolfgang Brückner hat mit der Konzipierung der Ausstellung kein einfachesUnterfangen auf sich genommen, aber das macht für ihn sicher auch den Reiz derSache aus. Es ist jedenfalls zu hoffen, daß das Fach Volkskunde seine Chance nützenund einer breiteren Öffentlichkeit seine Anliegen und Ziele bewußt machen kann,um sich aus dem bedrängenden Klischee verklärender Nostalgie endgültig herauszu-lösen.

Eva Kausel

Terminologie und Typologie mittelalterlicher Sachgüter: DasBeispiel der Kleidung. Internationales Round- Table- Gespräch Krems ander Donau 6. Oktober 1986(= Veröffentlichungen des Instituts für mittelalter-liche Realienkunde Österreichs Nr. 10. Österreichische Akademie der Wissen-schaften, Philosophisch- historische Klasse, Sitzungsberichte, 511. Band.) Wien,Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1988. 205 Seiten, 40Abbildungen.

1986 traf sich ein kleiner Kreis von Fachleuten zu einem Round- Table- Gesprächüber ein wichtiges Detail und ein grundlegendes Anliegen der mittelalterlichen Rea-lienkunde. Trotz oder gerade wegen der reichen Literatur zum Thema Kleidungherrscht keine Einheit in der Terminologie der mittelalterlichen Kleidung; Vorarbei-ten sind kaum vorhanden. In den acht Beiträgen werden nun Fragestellungen vonverschiedenen Ansatzpunkten formuliert, Unzulänglichkeiten aufgezeigt und derVersuch unternommen, den Weg zu einer einheitlichen Terminologie zu beschrei-

ten.

Gerhard Jaritz vom Institut für mittelalterliche Realienkunde versucht in seinemeinleitenden Referat Schwerpunkte herauszuarbeiten, um zu einer Vereinheitli-chung bzw. Standardisierung der verwendeten Termini auf mehrsprachlicher Grund-lage zu kommen, wozu nur das interdisziplinäre Gespräch führen kann. Sein Referatgipfelt in der Forderung nach terminologisch- typologischen Untersuchungen, diedas gesamte soziale, regionale und zeitliche Umfeld erfassen müssen.

Elisabeth Vavra steuert als Kunsthistorikerin kritische Bemerkungen zurKostümliteratur" bei und fordert das Neuüberdenken der Ziele mittelalterlicherKostümkunde auf dem Wege zu einer einheitlichen Terminologie.

Leonie von Wilckens bezieht in ihre Darstellungen auch die Stoffe mit ein, betontaber gleichzeitig die Schwierigkeiten, die sich in der Verbindung des Kleidnamensmit der entsprechenden Kleidform ergeben, nicht zuletzt durch landschaftlicheUnterschiede.

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