Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
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hingen, werden schon Mitte des 16. Jh. erwähnt, und haben sich vom südlichenKüstengebiet gegen Norden bis Lappland Glossar ::: zum Glossareintrag  Lappland( Kainu) verbreitet. Die Glocken und ihreGestelle drückten mit ihrer Form und Dekoration auch einen gesellschaftlichenStatus aus. Am Glockenton erkannten die Leute der Umgebung die betreffendeWirtschaft, wo gerade geläutet wurde. Auch die beschränkte Verbreitung derTaschenuhren erforderte den Gebrauch der Glocken, die ihre Bedeutung erst in den50er Jahren verloren. Um diese Zeit hat sich die Arbeitszeit auf dem Ackerlandinfolge der zunehmenden Mechanisierung verkürzt- die Glocken erinnerten nurmehr an die guten alten Zeiten".

Dem Rezensenten fallen beim Lesen dieses Buches recht ähnliche Traditionenaus Mitteleuropa ein. Namentlich in Ungarn wurde noch zu Beginn dieses Jahrhun-derts in den Herrschaftsgütern die Arbeitszeit sowie das Mittagessen mit Glocken-klang oder dem Schlagen von aufgehängten Pflugscharen angekündigt. In der Gro-Ben Ungarischen Tiefebene wurde der Brunnensschwengel hochgezogen, um denweit entfernt Arbeitenden mitzuteilen, daß das Essen fertig ist. In den Grubenstäd-ten Oberungarns wurden die Grubenarbeiter mit dem Schlagen eines aufgehängtenBrettes zur Arbeit, zur Versammlung, zum Gebet oder zum Begräbnis gerufen. InUngarn werden solche Signale bereits aus dem Jahre 1529 erwähnt. Laut einerspäteren Quelle( 1714) soll der Bergkobold dem Hauer mit dem Ton eines derarti-gen Brettes den Fundort ertragreicher Erze angeben. Zu dieser Kategorie gehörtauch die Hillebille, das Alarmbrett der in ein Dorf einquartierten Soldaten( Umge-bung von Ödenburg). Ein ähnliches Alarmbrett wird auch in orthodoxen Kirchenbenützt. Aus akustischen Gründen ist die Hillebille bulgarischer Klöster mitLöchern versehen. Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts benachrichtigten dieKohlenbrenner im Harz- Gebirge einander, indem sie die Hillebille mit einem Holz-hammer schlugen. Laut Leopold Schmidt hängt in der Steiermark in mehreren Ort-schaften über dem Eingangstor ein herzförmiges Eisenblech, welches geschlagenwird, um die Feldarbeiter heimzurufen. Ähnliche Eisenscheiben benützten auch diealten Römer. Schon diese wenigen Beispiele veranschaulichen, daß die finnischen Rufglocken" im Rahmen eines äußerst weitverbreiteten Brauches zu betrachten

sind.

Béla Gunda

Wolfgang Brückner( Hrsg.), Bekleidungsgeschichte und Museum. Sym-posion im Schloß Hofen 13.- 16. 10. 1988. Bregenz, Amt der Vorarlberger Lan-desregierung, 1988, 279 Seiten.

31 Beiträge versammelt Wolfgang Brückner in vorliegendem Band, mit welchemer ein Symposion zur Vorbereitung der Vorarlberger Landesausstellung 1991 doku-mentiert, das im Herbst vergangenen Jahres im Bildungszentrum des Landes Vorarl-berg bei Bregenz stattgefunden hat. Diese erste Landesausstellung des westlichstenBundeslandes soll in Schloß Hohenems dem Thema Kleider und Leute" gewidmetwerden und damit ein Thema aufgreifen, das gerade für Vorarlberg mit seiner ausge-prägten und alten Textilindustrie bedeutsam ist.

Die unter dem etwas barock anmutenden Arbeitstitel Kleider und Leute. DieKultur unserer Bekleidungsgewohnheiten oder Aspekte einer Sozialgeschichte desAnziehens. Körperbotschaften von Mensch und Textil" konzipierte Ausstellung sollnach Vorstellung des wissenschaftlichen Gestalters, Wolfgang Brückner, die The-

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