Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

S. Elkar und Gerhard Fouquet: Und sie bauten einen Turm... Bemerkungenzur materiellen Kultur des Alltags in einer kleineren deutschen Stadt des Spätmittel-alters". Wir erfahren von der Arbeit der Maurer, Zimmerleute, Schmiede und Bau-hilfsarbeiter sowie über Arbeitszeit, Beschäftigungsdauer und differenzierte Löhnein Siegen, damals eine Kleinstadt mit geringem Finanzaufkommen. Der starkeWechsel der Arbeitskräfte beweist auch die soziale Mobilität der Beschäftigten.

,, Eigentumsstruktur und Funktion der immobilen Habe im westsächsischen Tex-tilhandwerk des 15. und 16. Jahrhunderts" behandelt Helmut Bräuer. Er führt aus,in welchen Eigentumsverhältnissen verschiedene Berufsgruppen innerhalb der Tex-tilgewerbe lebten; einzelne Handwerker besaßen Häuser, Höfe, Äcker und Wiesen,Wald und Keller, andere lebten und werkten nur zur Miete. Die Leinenweber befan-den sich in einer schlechteren sozialen Situation als die Tuchmacher. Mangeln zumGlätten der Gewebe, Walkmühlen zur Verbesserung der Verdichtung der Gewebe,Färbhäuser waren z. T. Zunfteigentum. Wie die Färbhäuser befanden sich auch diegroßen eingezäunten Bleichen an den notwendigen Wasserläufen oder Mühlgräbenund damit außerhalb der Stadt. Korporatives Eigentum waren in jedem Fall dieInnungs- oder Zunfthäuser.

Schließlich handelt der letzte Vortrag von Walter Endrei von UnidentifiziertenGewebenamen-namenlosen Geweben und in diesem Zusammenhang auch vomHandel mit Textilien und der Herkunft fremdländischer Gewebe, wobei nach seinenUntersuchungen mit großen Unsicherheitsfaktoren zu rechnen ist. Daneben wirdder alltäglichen Gebrauchsstoffe gedacht, die ebenfalls unter vielfältigen Namenanzutreffen sind.

Abschließend zieht Harry Kühnel unter dem Titel Handwerk und Sachkultur imSpätmittelalter ein Resümee aus den Vorträgen und ihren Ergebnissen.

Maria Kundegraber

Dragica Cvetan, The Living Tradition of Arts and Crafts in theJastrebarsko Area. Jastrebarsko, Zavičajni muzej, 1988, 59 Seiten, Abb.

Zu den in der Heimatkunde wie in der Volksbildung am erfolgreichsten tätigenLandschaftsmuseen unseres südlichen Nachbarlandes, wie sie ungleich häufiger alsbei uns in Österreich mit diplomierten Volkskundlern, Kunsthistorikern usw. alshauptamtlich tätigem Leiter besetzt sind, gehört unzweifelhaft jenes von Jastrebar-sko. Der Ort liegt im kulturellen Strahlbereich von Agram/ Zagreb, westlich von ihman der Südseite des Plešivica- Berglandes. Jahr für Jahr gibt es Sonderausstellungenmit sorgfältig aufbereiteten Katalogen in reicher, z. T. auch farbiger Bildausstattungund oftmals sehr instruktiven Zeichnungen. Sie stehen gelegentlich im Zusammen-hang mit Vorträgen und Diskussionen auf Volkskunde- Kongressen im Lande. Dies-mal stellt die Leiterin, Frau Dragica Cvetan, die aus der Zagreber Ethnologen-Schule von Milovan Gavazzi und Branimir Bratanić hervorgegangen ist, das tradi-tionelle wie das noch lebendige Handwerk des Ortes in einem in englischer Spracheabgefaßten Katalog- Heft zusammen, zugeordnet dem Internationalen Anthropolo-gen- und Ethnologen- Kongreß von Zagreb 1988. Wieder liegt der Wert neben der

67