Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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ten, Briefe, Fotos, Flugblätter, Dokumente, Zeitungsbelege, Plakate, Protokolle,Ausweisdokumente, Notgeld, Bezugsscheine, und persönliche Dinge wie Schulauf-zeichnungen, Sterbebildchen u.v.a.m. geben ein rundes Bild über die damaligenLebensumstände, die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse undlegen Zeugnis ab von einzelnen Menschenschicksalen, deren Bedeutung in der aka-demischen Historiographie hinter allgemeinen Thesen oft nicht in Erscheinung zutreten pflegt. Die Belege wurden vom Verfasser klug gruppiert und in einen überge-ordneten historischen wie sachlichen Zusammenhang gestellt. Da es sich bei dengenannten Exponaten zum Großteil um Dinge aus Privatbesitz handelt, ist derenPublikation umso wertvoller, weil nur auf diesem Wege einem größeren Interessen-tenkreis zugänglich und weiter verwertbar. Den Volkskundler interessieren dabeineben der quantitativ übermächtigen, papierenen Flachware die, von anderen Diszi-plinen in ihrem Wert gern unterschätzten einfachen dinglichen Zeugnisse, wie hieretwa Erinnerungsstücke aus dem Krieg, der Aschenbecher aus Rußland, der Spa-zierstock mit den eingekerbten russischen Einsatzorten, das NS- Kriegsschiff in derWeinflasche, die Stola aus dem Stoff für sowjetische Uniformhosen, oder umgekehrtdie Kriegsgefangenenarbeiten der in Lagern des Truppenübungsplatzes gefangenge-haltenen sowjetischen Soldaten,, Arma Christi" in Fläschchen, Nähkassetten, etc.Eine andere Art von Erinnerungsstücken sind die von den Aussiedlern angefertigtenAndenken an ihre alte Heimat, ein hölzerner Handtuchhalter etwa mit der Ansichtdes Heimatdorfes, das man verlassen mußte.

Den Band komplettieren 170 Abbildungen und eine Bibliographie zur Zeitge-schichte des Waldviertels, die der Fachmann immer begrüßt. Den Waldviertler Aus-siedlern wurde mit diesem Buch ein weiteres, von ihnen bisher vermiẞtes Denkmalgesetzt, der Erforschung der Waldviertler Zeit- und Lokalgeschichte ein wesentli-ches Kapitel hinzugefügt.

Margot Schindler

Handwerk und Sachkultur im Spätmittelalter. Internationaler KongreẞKrems an der Donau 7. bis 10. Oktober 1986.(= Veröffentlichung des Institutsfür mittelalterliche Realienkunde Österreichs Nr. 11, Phil.- hist. Kl., Sitzungsbe-richte, 513. Band), Wien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissen-schaften 1988, 263 Seiten, 39 Abbildungen und 9 Tabellen.

Den elf Vorträgen des Internationalen Kongresses 1986 liegen drei Gewerbegrup-pen zugrunde: Baugewerbe, Textilgewerbe und metallverarbeitende Gewerbe. DieBeiträge erstrecken sich von der Technikgeschichte bis zur Auswertung archäologi-scher Ergebnisse. Der Zeitraum, mit dem sich die Aufsätze auseinandersetzen, wareine Zeit, in der sich Handwerk und Sachkultur in dynamischer Bewegung undVeränderung befanden. Diese Veränderungen sind in den drei angesprochenenBereichen auch in besonderer Weise sichtbar gemacht.

Rolf Spandel geht in seinen Ausführungen von der Geschichtsschreibung desSpätmittelalters aus und wendet seine Aufmerksamkeit zwei Gesichtspunkten zu,die für die Geschichte des Handwerks von Bedeutung wurden: Dem Bedürfnis nachRepräsentation von Institutionen und Einzelpersonen und dem Interesse an Neuig-keiten. Dem entsprechen auch die in den schriftlichen Quellen niedergelegten Ereig-nisse, die uns einen Einblick in die damaligen handwerklichen und künstlerischenLeistungen und in die Neuerungen technischer Art gewähren.

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