Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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in den Kapiteln Sitte, Brauch und Recht, Soziales oder Volksmedizin und Hygiene,dagegen scheinen die Sparten der literarischen und musikalischen Volkskunde viel-leicht eher stagnierend, nur Volkslied und Volkserzählung, hier besonders dieSagenüberlieferung, treten stärker in Erscheinung. Bedauern möchte ich das Nach-lassen des Interesses an den Kleinformen der, Volksdichtung( Rätsel, Sprichwort,Witz, Grußformeln), die hier kaum besetzt sind. Man möchte fast fragen, ob diegroße Zahl der Studierenden unseres Faches eigentlich jemals eine solche Bibliogra-phie zur Hand nimmt, um sich bei dem akut herrschenden Bedarf an Arbeitsthemeneinerseits über die Trends und andererseits über die thematischen Lücken zu infor-mieren, die hier unmittelbar offengelegt erscheinen. Alles zusammengenommenspricht doch nicht gerade für die einstmals so bewährte und im Berufsleben( etwaan Museen) erforderliche Vielseitigkeit des heutigen wissenschaftlichen Interesses.Im Verzeichnis der Zeitschriften mit den benützten Abkürzungen wären alsdurchaus gängig' Car.I" für, Carinthia I"( übrigens seit längerem mit geändertemUntertitel!) und' ZHVSt' für die Zeitschrift des Historischen Vereines für Steier-mark. Graz." zur Vereinfachung zu empfehlen. Hervorzuheben ist der deutlicheund klare Schriftsatz. Als Verschreibung ist mir nur bei Nr. 1175 Wunschstock"anstatt richtig Wuschstock" begegnet. Die Titel sind durchwegs vollwertig aufge-nommen, so daß der Benützer sich entsprechend dem Zweck des Ganzen orientierenkann, worum es sich bei dem jeweiligen Punkt handelt; nur bei Nr. 1182,, Vorrich-tungen" wäre eine zusätzliche Information von Vorteil gewesen.

Oskar Moser

Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich( WBÖ). Herausgegeben vonder Kommission für Mundartkunde und Namenforschung der ÖsterreichischenAkadamie der Wissenschaften, 26. Lieferung( 4. Lieferung des 4. Bandes). Wien,Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1988, Spalten577-768:( Unter) tänigkeit tárker.

Mit gewohnter Regelmäßigkeit schreitet das Wörterbuch der bairischen Mundar-ten in Österreich( WBO) in seinem Erscheinen fort. Seit einiger Zeit liegt dessen26. Lieferung vor, die vierte des 4. Bandes dieses gewaltigen Werkes der Öster-reichischen Akademie der Wissenschaften. In der langen Reihe der einzelnen Wort-artikel und in deren herkömmlichem Aufbau heben sich wieder mehrere besondersfür die Volkskunde Österreichs gewichtige und sehr umfangreiche Artikel ab odereröffnen sich auch sonst durchaus vermerkenswerte Einblicke aus dem Sprachschatzin das sehr wechselvolle Volksleben, woraus so manches für den Forscher neu undnotierenswert erscheint. Wer aber dazu noch über einiges sprachliches Gespür undInteresse verfügt, wird sich zudem bereichert fühlen durch die erstaunliche Material-erschließung selbst scheinbar belangloser Füll- oder Hilfswörter, die ja für die Cha-rakteristik des Sprachverhaltens nicht weniger aussagen als etwa spezifische Sach-wörter wie Tanz oder tanzen". Es lohnt sich daher sehr, z. B. die Wortartikel dann/ danne"( Sp. 588-592) oder dar"( Sp. 758-760) zu studieren. So ist bei unszwar der altertümliche Gebrauch von, dann als Vergleichspartikel wohl nur derälteren Schreibsprache bekannt gewesen, wenn es beispielsweise in einem steiri-schen Weistum heißt:( Man soll) kainen... fremdling langer dann uber nacht behal-ten"( Wörschach, 1478). Hingegen erscheint verstärkendes als- dann" bei unsdurchaus lebendig, ja geradezu charakteristisch und typisch für das Bairisch- Öster-reichische, wenn man etwa hört: Alsdann gehn ma's an!" oder: Na alsdann, jetztgeht's auf einmal!.

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