Martin Roth( Berlin),„ Volkskunde der 1920er und 1930er Jahre- Ideologiege-schichtliche Implikationen“, ging es vor allem darum, die Entstehung der„ Wörterund Sachen"-Schule in den sozialen und wissenschaftlichen Kontext der Zwischen-kriegszeit einzubinden. Eine derartige Analyse zeigt, wie illusorisch es wäre, dieVolkskunde dieser Epoche als„ apolitisch" anzusehen, da die behandelten For-schungsgegenstände und die angewendeten Forschungsmethoden die ideologischenPositionen deutlich erkennen lassen. Wolfgang Settekorn( Hamburg),„ Die Ham-burger Schule( der Sachromanistik) und Frankreich. Wissenschaftliche und ideologi-sche Implikationen“, untersuchte die Hintergründe der in Hamburg unter der Lei-tung von Fritz Krüger durchgeführten Forschungen. Die Festlegung des wissen-schaftlichen Gegenstandes wie auch das Konzept der historischen Auslegungen, wiesie beispielsweise in seinem Werk ,, Geógraphie des traditions populaires en France“( Mendoza 1950) dargelegt werden, bezeugen eine konservative, wenn nicht garmilitaristische Haltung der Universitätsangehörigen und Forscher dieser Schule.Michael Jaekel( Hamburg),„ Reichsdeutsche Frankreichphilologie und die Hambur-ger Schule", arbeitete seinerseits heraus, welche Stellung die Hamburger romanisti-sche Schule innerhalb der Französischen Philologie im Deutschland der Zwischen-kriegszeit eingenommen hat.
Derartige Ausleuchtungen des soziohistorischen Hintergrundes boten OlafDeutschmann( München) den Anlaß, als Zeitzeuge eine ausführliche Stellungnahmeabzugeben. Er konnte genaue Angaben über das politische Klima machen, das dieArbeiten dieser Epoche bestimmt hatte.
Der zweite Themenkreis gruppierte sich um die Frage, welche Beiträge die„, Wör-ter und Sachen"-Schule auf dem Gebiet der Sprachgeographie und der Regionalat-lanten geleistet hat. Ruth Schmidt- Wiegand( Münster i. W.),„, Wörter und Sachen.Forschungsrichtung- Forschungsinteresse- Forschungsaufgabe", legte eine kriti-sche Bilanz vor: Auch wenn die Problemstellung einer wechselseitigen Beziehungvon Wörtern und Sachen grundsätzlich als zutreffend anzusehen ist, sind die ein-schlägigen Forschungen jedoch auf neue Grundlagen zu stellen, wie diese von dermodernen Linguistik unter Bedachtnahme insbesondere auf den von Saussure ent-wickelten Zeichen- Begriff eingebracht worden sind. Fritz Lochner von Hüttenbach( Graz) ,,, Die Grazer Schule- Meringer und Schuchardt" beschäftigte sich im einzel-nen mit den Arbeiten, die unter der Leitung von Rudolf Meringer und Hugo Schu-chardt um die Jahrhundertwende von der Grazer Schule betrieben worden sind.Zahlreiche Untersuchungen auf dem Gebiet der indoeuropäischen Kulturge-schichte, die in der damals gegründeten Zeitschrift ,, Wörter und Sachen" erschienensind, wurden namentlich von Vertretern dieser Schule beigesteuert. H. L. Cox( Bonn), Möglichkeiten und Grenzen einer Wort- und Sachforschung auf Grundder Sammlung des Atlas der deutschen Volkskunde“, unterzog die Leistungen diesesGroßunternehmens der Volkskunde einer Bewertung im Lichte der Wörter- undSachenforschung. Namentlich die Nacherhebungen, die in den Jahren 1965 bis 1969von der Arbeitsstelle des Atlas der deutschen Volkskunde in Bonn zur Ergänzungoffensichtlicher Lücken der vorangegangenen Fragebogenermittlungen durchge-führt worden sind, ermöglichen eine kritische Bilanz. Es ist unbestritten, daß dieVolkskundeatlanten der Forschung neue Wege eröffnet haben, dennoch werdenauch ihre Grenzen erkennbar. So weiß man z. B., daß die Bedeutung einer mundart-lichen Bezeichnung in ihren synchronen und historischen Bezügen zur Sache vielfach
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