Volume 
92 (1989) / N.S. 43
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Die Bezeichnung Einsternen für die einäugigen Cyclopen könnte möglicherweisedurch Honorius' Begriff monoculis provoziert sein, sie ist jedenfalls der einzige Ver-such zu einer Lehnübersetzung der Völkernamen im ganzen Wundervölkerverzeichnis.Die Sciopodes( die meisten mhd. Handschriften verwenden das aber sicher erstsekundäre Cenopodes) werden aber dafür ausführlich behandelt; wo Honorius nurerwähnt, daß der eine große Fuß diese Menschen aufgerichtet beschatten kann, führtder Übersetzer in 16 Versen diese Eigenschaft aus, wobei er hier etwas Eigeninitia-tive zeigt und den Schutz vor der Sonne in den meisten mittelalterlichen Textenwerden die Schattenfüßler nicht in Indien, sondern nahe dem Äquator in Äthiopienangesiedelt- auf das mitteleuropäische Klima ausdehnt; Rudolfs Weltchronikweicht hier im Wortlaut etwas von der Christherrechronik ab und ist in diesem Fallexpliziter:

so sih an sinin rucge leit

der man sor ungewiter siht,so mag ez im geschaden nihtswenner den fůz ob im hat,

der im vil clein iht schaden latungewitters komendin vluzund gerigens wazzirs guz

und dabi sunnin hizze:

( R. v. E., V. 1623-1629)

Allerdings findet sich auch im mittelhochdeutschen Elucidarius, einem kleinentheologisch- kosmologischen Kompendium, das sich von Inhalt und Titel am Eluci-darium des Honorius Augustodunensis orientiert und 1185-1195, also mindestens60 Jahre vor Rudolfs Weltchronik, entstanden war, eine ganz ähnliche Stelle überdie Cyclopen:

,, da bi sint lúte heizen Ciclopes. die hant nuwen einen fuoz; die Iůfent balder dender vogel fleige. swen sie aber sizcent, so schetuwen in selber mit dem fůze, undeschirment sich da mite so ungewiter cumet" 14.

Obwohl dies der einzige Hinweis im Wundervölkerverzeichnis ist, daß der Autorder Kosmographie in den Chroniken anderswo den Lucidarius verwendet hatte, soist es doch nicht unwahrscheinlich, daß er dieses Werk kannte und Reminiszenzendaraus verarbeitete, ohne es eigentlich als Quellentext vorliegen zu haben. Vielunwahrscheinlicher ist die von C. Gerhardt geäußerte Überlegung 15, die Weltchro-nik könnte auch vom mittelhochdeutschen Herzog Ernst beeinflußt sein, in welchemvon schwanenfüßigen(!) Skiopoden die Rede ist, die sich mit diesem Fuß vor Unwet-tern, nicht aber vor der Sonne schützen. Sicherlich gehen die Informationen im Her-zog Ernst und bei Rudolf von Ems unabhängig voneinander auf den Lucidariuszurück.

Ein wenig Originalität zeigt der Übersetzer auch bei der Behandlung der vonHonorius zunächst( aber nicht namentlich) genannten Blemmiae, dem Volk ohneKopf, welches Augen, Mund und Nase in Brust und Schultern hat und dazu Borstenträgt ,, ut bestia", wenigstens in der Form der sprachlichen Ausführung:

fúr nase und munt hant si zwei loch

for an der brust, darzů dannochhant si vil wunderlichin schin:als ein tier und als ein swin

sint si, seigt schrift fúr war,

ruch und geburst und vil gehar.

( R. v. E., V. 1644-1649)

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