Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
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formelhafte Struktur in ihren Gebeten und, soweit ich es habe fest-stellen können, auch in ihren Predigten. Obwohl ich keine Ton-bandaufnahme vorspielen kann, möchte ich ein Beispiel geben. Eintypischer religiöser Text wird gelesen oder zitiert, wie z. B.:,,Vaterunser, der du bist im Himmel." Hier setzen sie dann verschiedeneBemerkungen ein, die betonen, daß der Vater in der Tat unserVater ist, weiters daß er Vater von allen Gläubigen ist. Worte überden Glauben folgen, Bibeltexte werden zitiert, die den Weg zumGlauben zeigen, und zum Schluß kehrt man zum,\ Vater"-Begriffzurück. Was ich hörte, meine ich, waren Gebete mit Zeilen undStrophen, die nicht durch den Reim, sondern durch zusammenhän-gende Gedanken aufgebaut werden. Durch diese Technik kannman endlos beten, solange man die Genialität besitzt, weiteresGedankengut anzufügen. Gebete sind fast immer sehr lang; siekönnen aber von allen Deutschsprechenden sehr leicht verstandenwerden. Tonbandaufnahmen existieren jedoch nicht! Dieses ausge-zeichnete Beispiel der Sprachkunst bleibt meine wohl begründeteVermutung, aber eine empirische Basis fehlt mir fast völlig. EineTonbandaufnahme in einem amischen Gemee wird mir in naherZukunft wohl auch nicht gelingen.

2. Ethische Probleme. Durch meine Erfahrungen und durchAufnahmen bei den Amischen alter Ordnung, die ich jedoch privat,zu Hause machen konnte, bin ich davon überzeugt, daß ich in derTat volkskundliche Redensarten beobachtet und erlebt habe, dieder Kontrolle( Manipulation) dienen. Ich erlebe fast jeden Sonntageine echte Indoktrination, hoch entwickelt und zweckspezifisch.Meine theoretische Einstellung und meine schon erwähnten Prä-missen führen mich direkt in eine ethische Problematik, odervielleicht besser gesagt- eine ethische Dimension kommt jetzt insSpiel. Diese Amischen alter Ordnung haben sich mit Absicht vonder Welt abgesondert, um sich und ihresgleichen, vor allem ihreKinder, durch verbale Strukturen, durch spezielle Sitten und Bräu-che, kurzum durch ihre konventionellen kommunikativen Prozessezu kontrollieren und um ihre Lebensweise und ihren Glauben bei-zubehalten. Ich frage mich immer wieder selbst, ob ich das Rechthabe, in diese Gruppe einzudringen und meine als Akademikerdaraus gewonnenen Erkenntnisse der Außenwelt darzustellen. Sol-che Studien, solche Unternehmen sind absolut der Natur diesesVolkes entgegengesetzt; es ist ein Volk, das keinem MenschenBöses wünscht, das nie zur Waffe gegriffen hat und das nur mit sei-nen Sitten und seinem Glauben unbehelligt zu bleiben wünscht.

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