Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
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Und vieles mehr. Die Prediger haben in der Tat Sondercodes, diesie mit gehobener Stimme zum Besten geben, sie verwenden Par-allelen, d. h. Wiederholungen von Formeln, man sieht und spürtverschiedene paralinguistische Merkmale. Die Prediger haben Son-derformeln, sie appellieren an die Tradition, und man hört, wieeine Ableugnung der Performanz deutlich ausgesprochen wird.Das ,, Emergente"( d. h. Werdende), die Kunst des Predigers, wirderkennbar.

Sie ersehen aus diesen wenigen Bemerkungen über die Altami-schen und ihren Gottesdienst, warum ich mich für die sogenanntePerformanz- Theorie interessiere. Die Theorie, die neuen Perspek-tiven und die entworfenen Modelle scheinen speziell für die Ami-schen geplant und ausgedacht worden zu sein.

Trotzdem ist eine vielseitige Problematik vorhanden: technischeProbleme, ethische Probleme und zum Schluß auch theoretischeProbleme.

1. Technische Probleme. Alle, die in der Feldforschung arbei-ten, kennen die Probleme, die bei der Anwendung von technischenGeräten( Tonbandgeräten und Kameras) entstehen können.Gerade weil meine Arbeit sich bei streng religiösen Utopistenabspielt, habe ich gewisse Erfahrungen gemacht, die über die nor-male Schüchternheit hinausgehen, die man immer wieder erlebt,wenn man um Erlaubnis bittet, Geschichten, Lieder oder Sprich-wörter aufnehmen zu dürfen. Unter den Amischen alter Ordnung,die keine Autos fahren, keine Elektrizität in ihren Häusern habenund ihre Wände nur mit religiösen Kalendern schmücken, entstehtsofort ein Problem bei jeglicher Erhebung, weil man technischeGeräte nur sehr vorsichtig verwenden kann. Dazu kommen dieethischen Dimensionen, die sich zum Teil aus der oben skizziertentheoretischen Einstellung ergeben. Ich versuche, wieder an einemBeispiel, die Sache etwas genauer zu erklären.

Während der dreistündigen Versammlung( Gemee), die immerin einem Haus stattfindet, und während der sogenannten Sonntags-schule, die abwechselnd alle zwei Wochen in der Schule abgehaltenwird, meine ich etwas sehr Interessantes bei den Gebeten und denPredigten gespürt zu haben. Als ich zum ersten Mal die Amischenbeten hörte, war es ganz deutlich, daß sie ihre Art Hochdeutsch( Amisch- Hochdeutsch) sprachen. An sich war das eine Überra-schung, da ich bis zu diesem Zeitpunkt nur ihren Dialekt gehörthatte. Als ich weiter zuhörte und in weiteren Versammlungenmeine Wahrnehmungen bestätigt sah, erkannte ich eine

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