Dies blieb auch die Zielsetzung der volkskundlichen Forschungin Amerika während der ersten fünfundsiebzig Jahre ihrer Exi-stenz. Vergleichende Studien im Dienste der historisch- geographi-schen Methode herrschten in den zwanziger, dreißiger und vierzi-ger Jahren vor¹5. Erst um die Mitte dieses Jahrhunderts entwickeltesich in den amerikanischen Hochschulen ein langsam wachsendesInteresse für expressive Formen der amerikanischen Kultur, diezwar vorläufig noch als Relikte betrachtet wurden, aber das Haupt-merkmal besaßen, daß sie exklusiver Ausdruck der eigenständigenamerikanischen Erfahrungen waren. Es ist interessant zu wissen,daß zur gleichen Zeit, als Warren Roberts die erste volkskundlicheDissertation in einem amerikanischen Volkskundlichen Instituteinreichte 16, Richard Dorson schon angefangen hatte, seine zahl-reichen Abhandlungen über amerikanische Volkshelden zu veröf-fentlichen 17. Dorsons eigenes Studium der Amerikanistik- beson-ders unter historischen Aspekten¹8- führte 1956, nach der Pensio-nierung des auch in Europa bekannten Volkskundlers Stith Thomp-son, zu seiner Berufung als Direktor des Instituts für Folklore inIndiana, wo er bis zu seinem Tod 1981 lebte und wirkte. Durchseine persönliche Energie und Dynamik und auch wegen seiner vie-len Veröffentlichungen über amerikanische Kultur zog er( beson-ders in den fünfziger und sechziger Jahren) eine Reihe von Studen-ten an, die nicht nur ihn, sondern auch das immer bedeutender undbekannter werdende Fach herausforderten, neue Perspektiven,Theorien und Methodologien zu entwickeln. Es gelang ihm alsonicht ,,, seine Schüler an der Nase herumzuführen“. Sie lernten vielvon ihm und seinem Team, u. a. Warren Roberts, Linda Dégh,W. Edson Richmond. Auf der letzten Tagung der AFS, im Okto-ber 1987, gab es vier hochinteressante Würdigungen zu je zweiStunden der Person Richard Dorsons als Wissenschaftler und vorallem seines Einflusses auf das Fach. Diejenigen, die ihn würdigtenalle waren seine Schüler-, bildeten damals in den frühen sechzi-ger Jahren eine kleine Gruppe, die die alte und für sie altmodischevolkskundliche Forschung zu erneuern beabsichtigten. Fast jedervon ihnen erklärte, die neuen Forschungsrichtungen und Perspekti-ven repräsentierten grundlegend neue Prämissen. Ich zitiere ausRobert Georges Aufsatz über„ Erzähl- Ereignisse":
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,, Ich behaupte, daß die grundlegende Prämisse und die primären Zielsetzun-gen der Erzählforschung, die sich im neunzehnten Jahrhundert entwickeltenund bis in die Gegenwart fortdauerten, unhaltbar sind. Jene von Forschern ausihrem Zusammenhang gerissenen und als Erzählungen gekennzeichneten Phä-nomene( Volkserzählungen, Erzählungen, orale Erzählungen, traditionelle
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