reich um Erlaubnis zu bitten, zur österreichischen Nationalhymneumgewandelt hatten. Während meiner Studienzeit in den fünfzigerJahren in Mainz fuhr ich immer wieder in den Süden, einmal sogarzu einem längeren( zweimonatigen) Aufenthalt nach Wien. Ichwohnte damals in der Linken Wienzeile, lief tagtäglich über denNaschmarkt, wanderte am Wochenende durch den Wienerwald( damals gab es nur einen) und lernte die Musik, den Dialekt, denLebensstil, die Beisln, kurz gesagt die Stadt und das Land gut ken-nen und auch schätzen. In der Zwischenzeit bin ich ziemlich oftzurückgekehrt. Seit 21 Jahren kommen wir von den drei Staatsuni-versitäten in Iowa mit unserem Sommerprogramm nach Österreich
neun Jahre nach Millstatt in Kärnten und jetzt seit zwölf Jahrennach St. Radegund, dem heilklimatischen Kurort oberhalb vonGraz. Die Sagen über den Schöckel und die Legenden über die hei-lige St. Radegundis kenne ich inzwischen sehr gut. Ich führe meineStudenten jeden Sommer durch das Österreichische Freilichtmu-seum bei Stübing, wir fahren nach Bad Radkersburg, schauen unsdie Klapotetz an und trinken den südsteirischen Schilcher in derGegend von Kleinklein und Großklein. Nach ihrem Aufenthalt inder Steiermark kommen unsere Studenten auf vier Wochen nachWien, wo sie an dem Internationalen Ferienkurs der Universitätteilnehmen. Vor elf Jahren war ich zu einem kurzen Besuch imÖsterreichischen Museum für Volkskunde und habe damals HofratLeopold Schmidt und den heutigen Direktor, Hofrat Beitl, kennen-gelernt. Durch Freunde und Kollegen in der Bundesrepublik nahmich berufliche und persönliche Kontakte mit Dozent Dr. Olaf Bock-horn und mit Dr. Helmut Eberhardt auf. Auch Professor HelmutFielhauer lernte ich vor einigen Jahren auf einer Tagung der DGVkennen.
In dieser Zeit sind mir also die Sitten und Bräuche und sogar derTonfall der verschiedenen österreichischen Gegenden fast ebensogeläufig geworden wie jene im bundesdeutschen Raum. Ich habeösterreichische Bücher gelesen und rezensiert¹, über Volkskundeim Werk des steirischen Heimatdichters Peter Rosegger referiertund geschrieben², und als Herausgeber der Internationalen Volks-kundlichen Bibliographie bearbeite ich alle zwei Jahre Hundertevon Ihren Schriften³. Ich habe eine ganze Reihe von Mitarbeiternaus Österreich, mit denen ich korrespondiere und die ich dieserTage zum ersten Mal persönlich kennenlernte. Soweit über meinenständigen Kontakt mit Österreich.
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