Der zweite, weit kürzere Teil( S. 111-132) umfaßt 180,, Griechische Sprichwörterüber die Türken“: 1. allgemein, 2. griechische Sprichwörter der Türkenzeit, 3. ent-sprechende türkische und griechische Sprichwörter. In diesem Teil kommen dieSchwächen der Konzeption zum Tragen: die Stoffauswahl erscheint etwas zufällig,das dritte Kapitel mit 55 Beispielen ist nicht unbedingt repräsentativ. Es folgt eineausführliche Zusammenfassung in Englisch( S. 133-137) und Deutsch( S. 138-143)sowie ein reichhaltiges Register( S. 145-162). Der informative Wert der ArbeitHidiroglus ist nicht gering zu veranschlagen, der wissenschaftliche Wert ergibt sichim Zusammenhang mit ähnlichen Arbeiten; die aktualisierende Note von der Syste-matisierung von Ethnostereotypen scheint rezenter Kulturanalyse jedoch nicht mehrangemessen. Darüber hinaus wird die vergleichende Parōmiologie die Materialzu-sammenstellung gern benützen. Der Griechischen Volkskundlichen Gesellschaftgebührt das Verdienst, diesen Beitrag in ihre Publikationsreihe der Beihefte zur„ Laographia“ aufgenommen und einer breiteren Öffentlichkeit zur Diskussiongestellt zu haben.
Walter Puchner
Narodna Umjetnost, Bd. 24( Zagreb 1987), 284 Seiten, 28 Abb. auf Taf., Bd. 25( Zagreb 1988), 279 Seiten, 46 Abb. auf Taf.
Die kroatische volkskundliche Zeitschrift hat, neben einem Sonderband zu rezen-ten Folklore- Problemen( Contribution to the Study of Contemporary Folklore inCroatia, Special issue 9, Zagreb 1988), wieder zwei hochinteressante Jahresbändevorgelegt: der erste bringt Beiträge zu einem Kolloquium( 1986) über Brauchtermi-nologie, der zweite ist Karnevalsriten gewidmet. Die einzelnen Beiträge sind mitdetaillierter Bibliographie versehen, die den Problemhorizont der Mitarbeiter amFolklore- Institut in Zagreb ausweisen: serbokroatische Literatur, amerikanischeKulturanthropologie, Tübinger Schule und Frankfurter Kulturanthropologie( Euro-päische Ethnologie), Sowjetische Vergleichende Balkanologie usw. Dieses breitge-fächerte und durchaus moderne methodische Spektrum der Ansätze ist auch imBesprechungsteil gegenwärtig, wo sich einheimische und ausländische Arbeiten dieWaage halten, Ausgriffe in Nachbardisziplinen( Philosophie, Soziologie usw.) kei-neswegs vermieden werden. Mit 42 Besprechungen im ersten( S. 231-284) und 70im zweiten( S. 207-279) ist der Methodenreflexion und Literaturrezeption bewußtein großer Raum gewährt.
Von Methodenreflexion zeugt auch der erste Band, der der Brauchterminologiegewidmet ist. Zorica Rajković diskutiert in einem Grundsatzreferat„ Warum spre-chen wir über Bräuche“( S. 15-20) die drei gängigen Termini: obicaj, obred undritual, wobei sie bei Tihomir Djordjević 1923 ansetzt und die Diskussion bis zu Riht-man- Auguštin und Weber- Kellermann führt. Der Altmeister Niko Kuret steuert sie-ben praktische Arbeitsthesen bei( S. 21). Ivan Lozica behandelt„, Bräuche und Eth-nologie aus philosophischer Sicht“( S. 23-38), wobei er seinen Ausführungen dieDüsseldorfer Systematik von A. Diemer zugrunde legt. Einen umfassenden termino-logischen Beitrag liefert Maja Povrzanović( S. 39-82)„ Die Begriffe Brauch, Ver-halten( navika), Ritus( obred)/ Ritual, Zeremonie, Zelebrierung( slavlje), Fest undFeiertag in jugoslawischen und ausländischen Wörterbüchern, Enzyklopädien undLexika“. Es geht um eine übersichtliche und nützliche Zusammenstellung von Be-
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