Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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und Wortwiederholungen stören nicht, sondern zeigen den natürlichen Abfluß derGeschichten. Die meisten Erzählungen sind uns motivisch geläufig, wenn auch dieArt der Varianten Überraschungen enthält.

Die zweite Geschichte- ohne Titel- weist eine balladeske Form auf; vielleichtdarf die Erzählung in Reimen überhaupt als eine besonders im Balkan beliebte Dar-stellungsweise gelten.

Am Ende jedes Textes werden( nur Makedonisch) die Daten über Erzähler undAufnahme mitgeteilt sowie Anmerkungen angefügt.

Das Buch enthält gute Register und eine Tabelle der enthaltenen Erzählungennach Aarne- Thompson aufgeschlüsselt. Die Bibliographie weist einige Lücken auf.Für die Erzählforschung bedeutet das Buch einen Meilenstein, für den man Mati-četov ebenso wie Frau Popvasileva zu danken hat.

Felix Karlinger

Leopold Kretzenbacher, Mürztaler Passion, Steirische Barocktexte zumEinort- und Bewegungsdrama der Karwoche(= Österr. Akad. d.Wiss., phil.- hist. Kl., Sitz.- Ber., 501. Bd.). Wien 1988, 162 Seiten.

Vorliegende Monographie ist für den Verfasser eine Art Rückkehr in die Heimat,nach Hause, an den Anfang. Kretzenbacher hat, wie seine Grazer KollegenV. v. Geramb und O. Moser, als Pohlheim- Schüler mit dem Volksschauspiel begon-nen, wie übrigens auch Leopold Schmidt und Robert Wildhaber. Das steirische,auch kärntnerische und innerösterreichische Volksschauspiel, dem er so viele Arbei-ten und Monographien noch bis in die sechziger Jahre gewidmet hat, ist nie ganz ausseinem Forschungshorizont entschwunden. Als späte Frucht gleichsam legt der Ver-fasser nun zum ersten Mal zwei religiöse Schauspieltexte aus dem Mürztal vor, dieunser Wissen um die Steiermark als religiöse Theaterlandschaft vom Mittelalter bisin die unmittelbare Gegenwart( der Rez. hatte 1987 die Möglichkeit, Grazer Volks-kunde- Studenten am Dreikönigstag nach Steirisch- Laßnitz zu führen, um das Spiel,, Vom reichen Prasser und dem armen Lazarus zu sehen, jenem Volksschauspiel,mit dem die wissenschaftliche Laufbahn von L. Kretzenbacher begonnen hatte), vorallem auf dem Sektor des ohnehin schon reich belegten geistlichen Barocks, ent-scheidend bereichert. Es geht um ein Christi- Leiden- Spiel mit dem Titel, EröffneteLiebs- Bühne aus dem mittleren Mürztal( frühes 18. Jahrhundert, SteiermärkischesLandesarchiv Graz, Hs.-Nr. 1624), eine in zwölf Vorstöllungen und einem Epilogabrollende Passion, und die, Passio Domini" des Jahres 1756 aus Kindberg im Mürz-tal( Spielleiter J. F. Rosmann), ein Prozessionsspiel zum Kalvarienberg in 48 Szenen,dem noch Pastoralexegetisches, eine Meditationspredigt, Spieleinschübe undZusätze folgen. Diese Texte sind auf S. 25-57 und 69-127( mit den Nachträgen bis135) abgedruckt.

Kretzenbacher hebt, nach einem einführenden Vorwort( S. 3-5), mit einemÜberblick zum geistlichen Theater in der Steiermark an: Steirische Vor- und Früh-formen österlichen Spielens zum Künden vom Leiden Christi zwischen Hochmittel-alter und Barock( S. 7-22), vom Ostertropus aus St. Lambrecht über die von HansSachs so stark beeinflußte Admonter Passion bis zu Johannes Geigers Passio Dominiaus dem Jahre 1606. Gerade weil die Spielnachrichten aus dem barocken Benedikti-

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