Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
436
Einzelbild herunterladen
 

vergleichenden Balkanologie möglich sind. Nicht nur die Kooperation der einzelnenLänder ist hier angestrebt, sondern auch die interdisziplinare Symbiose und Sympra-xis. Daß die Vielfalt der methodischen Ansätze nicht immer auf einen Nenner zubringen ist, davon zeugten nicht nur die zum Teil heftigen Diskussionen der Tagung,sondern auch die Tatsache, daß der Herausgeber das ihm zugestandene zuammen-fassende Nachwort letztlich doch nicht verfaßt hat. Trotzdem ist hier ein Unterneh-men angelaufen, das sowohl komparativ( zwischen den Ländern Südosteuropas) alsauch interdisziplinär( die Kulturwissenschaften umfassend) arbeitet, dem Arbeitsbe-griff ,, Südosteuropa" sozusagen erst Fleisch und Blut verleihen will, ein Unterfan-gen, das 1982 in Belgrad begonnen hat und 1989 in Hamburg seine Fortsetzung fin-den soll. Daß die Volkskunde als integrative Kulturwissenschaft( und insbesonderedie Vergleichende Volkskunde) in einem solchen multidimensionalen mehrsprachi-gen Forschungsfeld einen zentralen Platz einnimmt, dafür legt bereits dieser Kon-greẞband beredtes Zeugnis ab.

Walter Puchner

Leopold Kretzenbacher, Hiobs- Erinnerungen zwischen Donau undAdria. Kulträume, Patronate, Sondermotive der Volksüberlieferung um Job undsein biblisches und apokryphes Schicksal in den Südost- Alpenländern(= Bayr.Akad. d. Wiss., phil.- hist. Kl., Sitz.- Ber. 1987, H 1). München 1987, 191 Seiten,10 Abb. im Text, 16 Abb. auf Taf.

Der Nestor der als Fachanspruch weithin erhobenen, doch so schwer zu erfüllen-den ,, Ethnologia Europaea", Leopold Kretzenbacher, hat wieder eine umfangreicheMonographie auf seinem weiteren Spezialgebiet, der religiösen Legende und Bild-deutung auf ihrer Wanderung vom christlich- autorisierten Quellenbereich und sei-nen Exegeten zur Volksfrömmigkeit mit ihren verschiedenen Ausdrucksmöglichkei-ten. An einem halbrezenten Phänomen, den slowenisch- kärntnerischen Bienen-stocktäfelchen, die den schwärenbedeckten Hiob/ Job als Patron der Imker abbilden,gelingt es, halbverschüttete Traditionsfäden bis in die Barockzeit und weiter zurückbis ins Spätmittelalter, mit sicherem kulturhistorischen Instinkt zurückzuverfolgen,obwohl gerade bei dieser Thematik noch manche Frage offenbleiben muß. Geblie-ben sind davon, jenseits von künstlerischen Reaktivierungen, wie dem Hiob- Dramavon Oskar Kokoschka, heute bloß, Erinnerungen.

Hiob/ Job ist als alttestamentarischer Heiliger" nicht wirklich sanktioniert, son-dern bloẞ geduldet, erhält trotzdem ab dem Mittelalter und bis in die Barockzeit eineReihe von Patrozinien( 1. Abschnitt: Hiob- ,, St. Job" unter den nur vom Volke,, kanonisierten" alttestamentlichen Heiligen" des christlichen Himmels, S. 7-13),vor allem als Nothelfer gegen Pest, Syphilis, Lepra, Aussatz, Geschwüre u. a. Haut-krankheiten, angerufen in verschiedenen ,, Wurmsegen", gegen Mundfäule u. a. m.Zum Kultschwerpunkt Niederrhein/ Niederlande/ Flandern/ Brabant vgl. zusätzlichE. Donckel, S. Job und S. Lazarus. Ein Beitrag zur Altluxemburger Patrozinien-kunde. Hémecht 20( 1968), S. 47-56( zum Armen Lazarus in Burgund als Zentrumeiner hochmittelalterlichen Leprösenwallfahrt vgl. D. Grivot/ G. Zarnecki, Gisel-bertus sculpteur d'Autun. Paris/ Dijon 1960, deutsche Übersetzung Wiesbaden1962). In einer friulisch- italienischen Legende wird der Gerechte" auch mit derEntstehung der Seidenwürmer und Seidenraupen in Zusammenhang gebracht

436