Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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Psalm 23,7-10 dialogisch abgesungen wird. Dem bisher bekannten griechischenMaterial( vgl. W. Puchner, Zur liturgischen Frühstufe der Höllenfahrtsszene Chri-sti. Byzantinische Katabasis- Ikonographie und rezenter Osterbrauch. Zeitschrift fürBalkanologie 15[ Berlin 1979], S. 98-133) sind also noch die korfiotischen DörferAgioduloi, Antipernoi, Klimatia, Afra und Alapu hinzuzufügen. Es folgen nochAngaben zu einem akritischen Lied( S. 141 f.), zu Faschingsliedern( S. 143), Kurio-ses zum Thema paterna- paternis/ materna- maternis( S. 145 ff.), eine Variantezum Gerichtsspiel( S. 149 f.), zum Karneval in der Hauptstadt der Insel( S. 151 ff.),Paralipomena zu den Karnevalsszenen aus verschiedenen Dörfern( S. 157 ff.) sowieeine ,, Brauchgeographie von Korfu( S. 167 ff.) und ein Epilog( S. 171).

Die Analysen des Politikwissenschaft studiert habenden Verfassers bewegen sichmanchmal an der Grenze der Naivität, das aufgebrachte und beschriebene Brauch-material ist allerdings in einem dreifachen Sinne wertvoll: 1. deckt es doch eine volks-kundlich nicht allzudicht belegte geographische Zone und löst den Mythos der vene-zianischen Beeinflussung der heptanesischen Volkskultur auf( dies hatte schonM. Meraklis für den Ursprung des, Homilien"-Fastnachts- Volkstheaters vermutet;M. G. Meraklis, To provlima tis proelefsis ton omilion. Philologika 5[ Ioannina1981], S. 34-38); 2. es wird rezentes Fallmaterial gebracht und auch bildmäßig reichdokumentiert, wobei sich vor allem für die Karnevalsriten ein erstaunlich vitales Bildbietet( und ein Bruch zwischen Hauptstadt, touristischen Strand- und Hotelzonenund dem Innenland der Insel festzustellen ist); 3. werden regionalspezifische Phäno-mene geortet, die vor allem die Variationsbreite der Karnevalsmanifestationenbereichern, die eben nicht in das Klischee- Vorbild des venezianischen Karnevalspassen( das die Briten im 19. Jahrhundert nachzuahmen versucht haben, vgl.W. Puchner, Südost- Belege zur Giostra": Reiterfeste und Lanzenturniere von derkolonialvenezianischen Adels- und Bürgerrenaissance bis zum rezenten heptanesi-schen Volksschauspiel. Schweiz. Archiv für Volkskunde 75[ 1979], S. 1–27, bes.S. 19 ff.), sondern in die Topik byzantinisch- turkkroatisch- balkanischer Maskie-rungsformen und damit signalisieren, daß das venezianische Kulturprofil, trotz sei-ner bedeutenden zeitlichen Ausdehnung bis Ende des 18. Jahrhunderts, doch ober-schichtenspezifisch geblieben ist.

Walter Puchner

Norbert Reiter( Hrsg.), Die Stellung der Frau auf dem Balkan, Beiträgezur Tagung vom 3. bis 7. September 1985 in Berlin(= Osteuropa- Institut an derFreien Univ. Berlin, Balkanologische Veröffentlichungen, Bd. 12). Berlin/ Wies-baden, Otto Harrassowitz, 1987, 313 Seiten.

Das Balkanologische Symposion am Osteuropa- Institut der FU Berlin war untereinem fachübergreifenden Integrationsaspekt abgehalten worden, um der gerade inden Vergleichenden Südosteuropa- Wissenschaften so gravierenden fachlichen Zer-splitterung entgegenzuwirken. Das Thema Frau bzw. Patriarchalität eignet sich dazuin spezifischer Weise, haben doch die Geschlechterrollen weitreichende soziologi-sche, wirtschaftliche, religiöse und andere Implikationen und Dimensionen. DerPatriarchalitätsbegriff ist, schon von Gesemann 1943 als Vitrine" erkannt undbeschrieben, von der neueren Anthropologie, Humangeographie, Ruralsoziologieusw. in vielen Ansätzen einer eingehenden Kritik unterzogen und als extrovertierter

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