Literatur der Volkskunde
Silke Göttsch und Kai Detlev Sievers( Hrsg.), Forschungsfeld Museum- Fest-schrift für Arnold Lühning zum 65. Geburtstag(= Kieler Blätter zur Volkskunde20/1988). Kiel, Kommissionsverlag Walter G. Mühlau, 1988, 411 Seiten, 1 Bilddes Jubilars, zahlreiche Abb.
Die große Zahl und manche Prominenz unter den Beiträgen zu dieser inhaltsrei-chen Sammelschrift weisen sehr direkt auf die fachwissenschaftliche Leistung undBedeutung dessen hin, dem sie als Festschrift zum 65. Geburtstag zugedacht sind:Arnold Lühning, dem Forscher und exzellenten Fachmann, dem Museologen undOrganisator und nicht zuletzt dem stetig- bedachten, allseits hochgeschätzten Kolle-gen. Sein Wirkungsfeld blieb im wesentlichen das Land im Norden Deutschlands,Schleswig- Holstein, wo er seit 1957 durch drei Jahrzehnte ungewöhnlich vielseitigund erfolgreich an der Volkskundlichen Abteilung des Schleswig- HolsteinischenLandesmuseums auf Schloß Gottorf und im Verein mit anderen Museumsleuten sei-nes Landes tätig war. Daß der Jubilar als Museumspfleger und Forscher in besonde-rer Weise der Sachkulturforschung zugewandt war, hebt nicht nur ihn selbst unterden wenigen seinesgleichen unbestritten heraus, es kennzeichnet unübersehbar auchden Inhalt dieser ihm von vielen persönlichen Freunden und Kollegen gewidmetenFestschrift.
,, Das Museum war, ist und bleibt seine Welt." So lesen wir es in den aufschlußrei-chen Erinnerungen seines einstigen Göttinger Studienkollegen Wolfgang Jacobeit,auch eines aus dem„ Peuckertschen, Froschtümpel“ der ersten Nachkriegsjahre,dem so viele spätere Forscherpersönlichkeiten entwachsen sind und von dem sicherfreulicherweise auch zu diesem schönen Anlaß einer Hommage für ArnoldLühning etliche zu Wort gemeldet haben. Dennoch aber ist bezeichnend, daß sichder thematische Bogen dieses Sammelwerkes, kräftig ausweitend, von den moder-nen Museumsproblemen bis eben zur Sachforschung hin spannt und eine ganzeReihe ebenso interessanter wie gewichtiger Beiträge enthält.
Da ist zunächst vor allem eben das„ Forschungsfeld Museum", dem HermannBausinger wie immer ein amüsantes Aperçu über das Museum als Ziel oder Gegen-stand der Erzählliteratur von Wilhelm Heinrich Riehl(„ Ein ganzer Mann“) bis zuMichel Tourniers„ La goutte d'or"(„ Der Goldtropfen“, Hamburg 1987) widmet.Und wer es liest, wird Bausinger zustimmen, wenn dieser ermunternd meint:„ DieBedeutung der schönen Literatur für das Museum- für eine Erhellung seiner Prin-zipien und Probleme- sollte nicht unterschätzt werden“( S. 25). Eine solche tief-
417