Bericht vom Internationalen Keramik- Symposion in Düsseldorf
( zugleich: 21. Internationales Hafnerei- Symposium des
Arbeitskreises für Keramikforschung)
Wohl das größte Treffen in Deutschland, das sich bisher alleine mit den histori-schen Aspekten der Keramikforschung beschäftigte, fand vom 19. bis 23. Oktober1988 in Düsseldorf, Neuss und Duisburg im Wechsel dieser Veranstaltungsorte statt.Es widmete sich dem Generalthema„ Keramik am Niederrhein und ihre nationalenund internationalen Wechselbeziehungen", die weit nach England, Skandinavien,Mitteldeutschland, weniger in den Süden, reichen. Anlässe zur Tagung waren einer-seits die Absicht, eine Übersicht zu diesem relativ neuen Forschungsgebiet zu erstel-len, und andererseits das 750- Jahr- Jubiläum der Stadt Düsseldorf mit einer Ausstel-lung zum Alltags- und Prunkgeschirr der Großregion Niederrhein zu verbinden.
Das vom Hetjensmuseum, dem Deutschen Keramikmuseum, unter der Leitungvon Dir. Dr. J. Naumann und der tatkräftigen Unterstützung seiner Mitarbeiterbestens organisierte und betreute Treffen vereinte zeitweise mehr als 150 Teilneh-mer aus den Fachdisziplinen Archäologie, Volkskunde, Museen und interdisziplinä-rer Keramikforschung zu mehr als 45 Referaten und Ausstellungsbesuchen. Dieintensiven Bemühungen des Hetjensmuseums um geneigte Sponsoren hatten dazugeführt, daß eine hohe Anzahl von Gästen( 28) aus der ČSSR, DDR, Polen undUngarn auf dieser internationalen Veranstaltung- insgesamt 70 ausländische Teil-nehmer aus 12 Ländern – begrüßt und als Gäste untergebracht werden konnten.Dafür sei der besondere Dank der Mitveranstalter ausgesprochen( Arbeitskreis fürKeramikforschung, Schleswiger Kolloquium zur mittelalterlichen Keramik, Arbeits-kreis der nordwestdeutschen Keramikforscher, Rheinischer Arbeitskreis für Kera-mikforschung und Deutsches Hafnerarchiv in München).
In einer in der Großregion bisher einmaligen, erfolgreichen Aktion hatten siebenMuseen nach sorgfältiger Abstimmung untereinander Schwerpunktausstellungenunter dem bereits erwähnten Sammelthema„ Keramik am Niederrhein" vorbereitet.Diese Teilausstellungen waren zum Teil in den vorangegangenen Tagen eröffnetworden oder wurden zu Kongreẞbeginn am 19. Oktober 1988 in Duisburg vorge-stellt. Durch die sorgfältigen stadtarchäologischen Untersuchungen gerade in Duis-burg liegt eine vom 5. Jahrhundert bis heute durchgehende Stratigrafie mit reichemFundmaterial vor, eine weithin einmalige Situation. Diese Schichten ergeben sowohlfür die Gebrauchswaren des Alltags als auch für manche ,, bessere" Objekte erstmalsin diesem Bereich einen archäologisch gesicherten Datierungsrahmen, der sich wie-derholt von einer alleine kunsthistorisch abgeleiteten Einordnung unterscheidet. Alsquasi zeitlichen Kontrast stellte das Niederrheinische Freilichtmuseum in Grefrathdie Erzeugnisse des letzten Töpfers aus der Region aus, dessen Produkte trotz dergeringen vergangenen Zeit( ca. 60 Jahre) bereits fast ebenso vergessen sind wie dieGeschirre des Mittelalters. Das Hetjensmuseum bot Überblick und Einführung indas Generalthema an zentraler Lage, um auch dem eiligen Besucher die wichtigstenAspekte und ausgewählte Beispiele zu vermitteln. Daß dabei erstmalig auch die All-tagsgeschirre stärker Berücksichtigung fanden, wurde von den Teilnehmern beson-ders anerkennend vermerkt. Die Themen der anderen Ausstellungen erwiesen sichje nach den Forschungsschwerpunkten der Teilnehmer von ähnlich hohem Interesseund Qualität der Darbietung. Ausschnittsweise seien erwähnt: Die„ KölnerKachelkunst" im dortigen Stadtmuseum, die neben den ungezählten Steinzeug-
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