Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
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sehen. In der steirischen Wohnstube war eine Figurine mit einer Männertracht ausdem Ennstal und in der slowakischen Stube ein Trachtenpaar, Bursch und Mädchenaus Groß- Blatnitz zu sehen, ähnlich wie auch in der Erstaufstellung des BerlinerMuseums fünf Trachtenfiguren aus Wachs innerhalb der Stuben den lokalen Zusam-menhang betonen sollten 18. Die restlichen Figurinen waren im Raum verteilt, mög-lichst jeweils bei Gerätschaften und anderen Objekten der gleichen Region. Natio-nale und innerhalb dieser regionale Herkunft und der Vergleich ähnlicher Typenwaren das Credo dieser ersten volkskundlich- musealen Präsentation in Wien.

Leopold Schmidt, der die unglaubliche Leistung Michael Haberlandts innerhalbweniger Jahre eine derartig umfangreiche und qualitätvolle Sammlung volkskundli-cher Güter bewerkstelligt zu haben und vor allem die maßgebliche Öffentlichkeit inPolitik und Finanz für das neue Unternehmen gewonnen zu haben, sehr wohl wür-digte und hoch einschätzte, äußerte sich jedoch aus der wissenschaftlichen Distanzvon 60 Jahren später äußerst kritisch über diese erste Aufstellung: Ein reinesNebeneinander von Volksgütern der Tiroler und der Goralen, der Steirer und derDalmatiner besagte letzten Endes doch gar nichts. Das blieb eben, Ethnographie',Beschreibung des jeweiligen örtlichen Volksbesitzes, noch dazu aus einem zeitglei-chen Querschnitt heraus, der alle diese Völkergruppen in vollständig verschiedenengesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situationen angetroffen hatte. Das gab wohlein sehr buntes Bild, wie es vielleicht für den Kaiser- Jubiläums- Festzug von 1898 sehrberechtigt sein mochte, nicht aber als wissenschaftliche Darstellung. Und daß einesolche Aus- und Aufstellung noch nicht im mindesten auch schon eine Darstellungwar, das blieb eben spürbar19."

Diese Erstaufstellung behielt aber mit kleinen Änderungen bis zum Umzug in dasSchönbornsche Gartenpalais im 8. Bezirk im Jahr 1917 mehr oder weniger Gültig-keit. Die 1901, 1908 und 1914 erschienenen weiteren Führer durch die Sammlungenbelegen die jeweilige Erweiterung der Schausammlung durch die große Zahl derjährlichen Neuerwerbungen, die, soweit wie möglich, laufend in die bestehende Auf-stellung eingegliedert wurden. Die Trachtenpräsentation wurde in diesen Jahrendurch die Aufstellung von Figurinen mit sogenannten, Volksspieltrachten ergänzt.Man versuchte, die Darstellung brauchtümlicher Handlungen im Museum irgendwiezu verdeutlichen. Zu sehen waren dabei drei Tresterertänzer, ein Maskenanzug ausSüdtirol( was immer darunter zu verstehen war), Tiroler Zottler oder Huttlerund zwei Figurinen von sogenannten Altartuxern. Daneben tauchen in den Katalo-gen nun auch bereits vereinzelte Trachtenbilder zur Veranschaulichung der realenObjekte auf.

Mitten im Krieg zog das Museum, das in der Börse inzwischen aus allen Nähtenplatzte, um. Die Umstände waren natürlich alles andere als günstig, aber allen Wid-rigkeiten zum Trotz, konnte die Museumsleitung bereits 1919 mit einem Führerdurch die Neuaufstellung aufwarten. Die Sammlung war inzwischen auf über 40.000Objekte angewachsen. Die räumlichen Verhältnisse waren in dem einstöckigenBarockpalais in der Laudongasse allerdings ganz andere als in der Börse. Es standennun 22 kleine und kleinste Räume im Erdgeschoß und 25 im ersten Stock zur Verfü-gung. Trotzdem behielt man aber das einmal eingeschlagene Konzept im wesentli-chen bei und richtete im Erdgeschoß wieder ziemlich geschlossene bäuerliche Wohn-stuben ein und behielt sich die Räume des ersten Stockwerks für die vergleichendeBetrachtung einzelner Sammlungsgruppen vor. Das programmatische Konzept, das

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