Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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Mitteilungen

Die Textil- und Trachtensammlung des Österreichischen Museums für VolkskundeSammlungsbestand und Expositionssituation

Von Margot Schindler

Das Österreichische Museum für Volkskunde steht zum 5. Mal in seinem 93jähri-gen Bestehen vor der Aufgabe, eine komplette Neuaufstellung der gesamten ständi-gen Schausammlung zu bewerkstelligen, ein völlig neues, dem derzeitigen For-schungsstand des Faches, aber auch den historischen Sammlungsbeständen desMuseums, den räumlichen Verhältnissen und nicht zuletzt den finanziellen Möglich-keiten Rechnung tragendes Ausstellungskonzept zu erarbeiten. Im Hinblick auf dasThema dieser Tagung möchte ich zu dieser Aufgabe in bezug auf den textilen Bereichund hier im besonderen zum Thema Kleidung im Museum einige Gedanken zumSammlungsbestand und zur Expositionssituation entwickeln.

Ausstellen kann man nur das, was man hat, und diese Binsenweisheit lenkt auto-matisch den Blick auf die historische Sammlungsentwicklung und den derzeitigentextilen Bestand unseres Hauses. Der Textilbestand des Österreichischen Museumsfür Volkskunde ist naturgemäß mit der gesamten Geschichte der Sammlung engstensverbunden. Die Frühzeit der Sammlung, also etwa die ersten 20 Jahre des Museumsvon der Gründung 1894/95 an bis etwa zum Zerfall der österreichisch- ungarischenMonarchie läßt sich durch die programmatischen Schlagworte Volkskunst- Natio-nalitäten · Vergleich charakterisieren.

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Um die Begriffe Volkskunst und Bauernkunst, unter denen man im eigenen Hausfür den eigenen Bedarf vorwiegend von der bäuerlichen Bevölkerung hergestellteGegenstände verstand- was Jahrzehnte zu einer irreführenden Ansicht über dieHerkunft volkstümlicher Objekte führte war um die Jahrhundertwende eineinternationale wissenschaftliche Diskussion entstanden¹, nicht zuletzt unter demEindruck des Interesses, welches die Künstler der Zeit dem Landvolk und seinenmateriellen Erzeugnissen entgegenbrachten². Allenthalben war man fasziniert vonden ästhetischen Qualitäten, vor allem der slawischen Volkskunsterzeugnisse, unddiese Begeisterung führte zum Anlegen mancher privater Sammlung auf diesemGebiet, welche unter glücklichen Umständen später in den Bestand eines Museumseinging. Ich erinnere dabei zum Beispiel an die volkstümliche Textilsammlung der

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