Volkskundliche Dorfforschung
in der Tschechoslowakei.Erfahrungen und Ergebnisse*)
Von Václav Frolec
Das Dorf befindet sich weltweit im Umbruch, wobei der Struk-turwandel in unterschiedlichen Gesellschaftssystemen seine jewei-ligen Besonderheiten hat.
Die ethnographische Konferenz, die im Jahre 1952 in Prag statt-fand, umriẞ als wichtige und aktuelle Aufgabe die Untersuchungdes Genossenschaftsdorfes. Den theoretischen Standpunkt zu die-ser Untersuchung äußerte damals Jaroslav Kramařík. Er gab denmonographischen Studien den Vorzug vor den thematischen undmachte darauf aufmerksam, daß man sich innerhalb der ökonomi-schen Problematik des Genossenschaftsdorfes auf jene Phänomenebeschränken müsse, die unmittelbar mit der Entwicklung undGestaltung der Kultur, des Menschen und seines Denkens zusam-menhängen. Kramařík verwies damals auch darauf, daß es nichtausreiche, den heutigen kulturellen Zustand in einem bestimmtenGenossenschaftsdorf nur zu beschreiben, sondern daß die gesamteEntwicklung erfaßt werden müsse. Als geeignetste Forschungsein-heit bezeichnete er einen kleineren Teil eines Bezirks( höchstensacht Dörfer) und empfahl, langfristige Untersuchungen nach Bezir-ken bzw. Kreisen durchzuführen. Damals wurde auch mit Feldfor-schungen begonnen. Sie alle blieben leider aus mehreren Gründenunvollendet( Kompliziertheit und Widersprüchlichkeit der damali-gen Entwicklung, Sozialisierung der Landwirtschaft, zu kurzerZeitabstand seit der Gründung der landwirtschaftlichen Produk-tionsgenossenschaften, theoretische und methodologische Unklar-heiten). Die gesellschaftswissenschaftliche Untersuchung des
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