Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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ja noch darüber hinaus bis zu Les nains et les dieux". Dieses Kapitel ist vielleichtder Schlüssel zum Typus des Zwerges überhaupt, und Lecouteux zieht sowohl diePhilologie wie die Ethnologie zur Erhellung mancher oft auch widersprüchlicherVorstellungen heran.( Zum Widersprüchlichen des Zwerges gehört ja unter ande-rem auch der Gegensatz von Güte und Hilfsbereitschaft einerseits und von Bösartig-keit und Haẞ andererseits. Freilich wird die Dämonisierung in ihren verschiedenenStufen nie ganz erkenntlich und wirkt oft unbegründet. So bleibt die Frage: undemalum?). Auch das Problem des Gestaltentausches ist nicht ganz einsichtig. Wirkenhier vielleicht Vorstellungen aus dem Bereich der Angelophanie herein?

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Noch komplizierter wird die Situation mit dem zweiten Kapitel des zweiten Teils:,, Les Elfes." Die Schwarzalben und die Lichtalben: lassen sie sich nicht nur unterein-ander, sondern auch gegenüber verwandten oder doch parallelen Figurenabgrenzen? Der Autor hat die heikle Frage selbst auch im Kapitel Les femmes-cygnes et les elfes" angeschnitten. Die Vielschichtigkeit und die polymorphenErscheinungsmöglichkeiten der Jenseitigen bleiben stets verwirrend und wider-sprüchlich. Und wenn auch der Autor als gewiegter Philologe gescheit ausgewählteTerminologien und semantische Erwägungen ins Spiel bringt, so scheinen dochmanchmal Unsicherheiten in der Zuweisung bestimmter Gestalten zu bleiben.

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In einem dritten Teil- Evolution des croyances et survivances" werden dannWörter und Bilder in ihrer Ausstrahlung betrachtet. Das führt hinein bis in das Felddes Kobolds und des Schrats, und man erkennt, wie endlos hier der Komplex inbenachbarte Räume weiterführt.

Vielleicht wäre hier der Punkt gewesen, wo man ganz bestimmte Gegensätze zuanderen Jenseitsgestalten hätte herausstellen können, um ein Zentrum für dasWesen des Zwergs und des Alben zu gewinnen. Doch möglicherweise ist eine solcheAkzentuierung gar nicht durchführbar, weil sich die Gegensätze nicht nur berühren,sondern häufig sogar überschneiden. Die gleiche Gestalt kann je nach Standort desErzählers und seines Zuhörers verschieden bezeichnet werden oder eine gegensätzli-che Funktion erhalten.

Lecouteux hat selbst in einer Art Resumé zusammengefaßt:,... elfe- eausoleil- jourbonté; nain- pierre- lune nuit--malignité."

Zweifellos ist das Buch geeignet, über Vorstellungen und ihre Darstellungen imVolksglauben anregend weiterzuführen. Über 300 Anmerkungen und eine viersei-tige Bibliographie kommen einem dabei zu Hilfe. Auch der Index erweist sich alssehr nützlich.

Felix Karlinger

Mircea Anghelescu, Introducere în opera lui Petre Ispirescu. Bukarest,Editura Minerva, 1987, 144 Seiten.

Unter den verschiedenen Ausgaben, Sammlungen und Bearbeitungen rumäni-scher Märchen stechen die Texte von Petre Ispirescu( 1838-1887) hervor. Unterallen Volkserzählungen in rumänischem Idiom im 19. Jahrhundert stehen sie der ori-ginalen Fassung am nächsten, schlicht im Stil und ohne Hinzufügungen oder Weglas-sungen im Text. Gegenüber den KHM und deren zeitgebundener Bürgerlichkeit ste-hen sie in ihrer rustikalen Zeitlosigkeit des Wunderbaren.

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