Bandys. Aus diesen stammen auch fünf der neun paraguayischen Texte, währenddrei( indianische) davon auf eine verschiedene publizierte Quelle zurückgehen.Die Herausgeber des vorliegenden Bandes haben also nicht nur das beste zur Verfü-gung stehende Textmaterial erstmals auf Deutsch zugänglich gemacht, sondern sieb-zehn Märchen( also fast ein Drittel der Gesamtzahl) wurden von ihnen überhaupterstmals veröffentlicht, darunter elf ab 1972 von dem Feldforscher Bandy mit demTonband aufgezeichnete. Der Wunsch, diese besonders wertvollen Texte zu ver-öffentlichen, hat möglicherweise auch eine Rolle für die Entscheidung gespielt,einen gemeinsamen Band für argentinische und paraguayische Märchen zusammen-zustellen. Schade wäre es um jeden einzelnen dieser Texte, wenn er in dem Bandfehlen würde.
Reinhold Werner
Claude Lecouteux, Les nains et les elfes au moyen age. Préface de RégisBoyer. Paris, Editions Imago, 1988, 207 Seiten, Abb.
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Der vorliegende Band, der mit aufschlußreichen Abbildungen ausgestattet ist,schneidet einen sehr weit ausufernden Themenkomplex an: die Welt der Zwerge undder Elfen. Die Einschränkung auf das Mittelalter und damit auf den literarischenBereich-, die Lecouteux klug vornimmt, kann doch nicht in allen Randgebieteneine klare Grenzziehung sichern.
Der Autor hat ein immenses Material verarbeitet und es vermieden, in eine jenerFuẞangeln zu treten, wie sie gerade mit so oszillierenden Gestalten wie Zwerg undElfe auftreten; das heißt: er ist sachlich und klar von Wort und Begriff sowie vomVorstellungsbild ausgegangen, das in verschiedenen Landschaften durchaus abwei-chende Erscheinungen abdecken kann.„ Le nain dans les litteratures occidentales"wendet sich den romanischen, keltischen und germanischen literarischen Quellen zu.Wichtig scheint mir dabei das Schema, das bereits beim Zwerg in der romanischenLiteratur entworfen wird:„ les nains renseignent ou conseillent les héros, les aident,les accueillent ou les hébergent;/ ils jouent le rôle de serviteurs hommes de com-pagnie, messagers, portiers, cuisiniers;/ ils se comportent comme des chevaliers,avec lesquels ils se confondraient parfois s'ils n'étaient si petits;/ ils ont une conduitediscourtoise et jouent des rôles de traîtres et de félons."
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Lecouteux verweist darauf, daß im romanischen Raum erstmals Zwerge durchChrétien de Troyes in den arthurischen Roman eingeführt werden, also zwischen1170 und 1180. Vorher( bei Gildas, Geoffroy de Monmouth und Wace) ist von ihnennoch nicht die Rede.
Wir können hier nicht im Detail verfolgen, wie der Autor das Bild des Zwergesund man muß hinzufügen: auch seiner Requisiten- nachzeichnet. Daß er in einemumfangreichen Kapitel die Oberon- Sage untersucht und ebenso der GestaltAlberichs nachgeht, ist verständlich. Auch am Rande dieser Erzählkomplexe auf-tauchende Probleme werden berücksichtigt. Man wird jedoch nicht ins Material ver-strickt, sondern behält dank der Umsicht des Autors stets den Überblick.
Der zweite Teil-„ Mythologie et croyances"- versucht, das bisher erarbeiteteBild aus der Sicht volkstümlicher Vorstellungen zu klären. Das geschieht in einer Artcurriculum des Zwergs von der Art und Stunde seiner Geburt bis zu seinem Tod,
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