Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
339
Einzelbild herunterladen
 

werden, sie bedürfen einer jahrelangen Einführung. Zur Ausübung solcher Fähig-keiten sei außerdem eine erbliche Veranlagung notwendig.

Bei den sogenannten Geistheilern"- ein Sammelbegriff für Geist-, Spruch- undGebetsheilung- werden keine Interpretationen oder Erklärungsmodelle für para-psychologische Phänomene geboten, sondern es werden, Heilungen", wie sie sichaußerhalb der etablierten Schulmedizin ereignet haben, bloß registriert, sie konntenjedoch weder nachgeprüft noch bewiesen" werden. Dabei ergab sich, daß die viel-fach abergläubischen Praktiken mit paramedizinischen Behandlungsmethoden auf-grund eines aufgeklärten Wissensstandes und der modernen Auffassung von Krank-heiten abgewertet wurden. Sie galten als unangemessene und daher unwirksameMittel. Heute leben die ehemals für untauglich gehaltenen Heilweisen in neuemGewand und in erweiterter Form wieder auf.

Abschließend werden noch Befragungen über Krankheiten und ihre Ursachen",über Selbsthilfe, Natürliche Behandlung und Selbstmedikation" ausgewertet.Dabei stehen vor allem bei den Krankheitsursachen die seelischen Belastungen, diezu verschiedenen Leiden führen können, im Vordergrund. Interessant sind auch dieAntworten auf die Befragung nach der Vermittlung des Wissens um die Selbsthilfein unserer Zeit. Hier wird die Familienüberlieferung an erster Stelle genannt, gefolgtvon Ratschlägen der Fachleute, während die Anregungen aus den Medien eindeutigim Hintergrund stehen, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß überwiegend Perso-nen über 50 Jahre befragt wurden. Bei jüngeren Menschen würde sich sicherlich einanderes Bild ergeben.

-

Die in der vorliegenden Pilotstudie zusammengefaßten Beiträge können freilichnur einen ersten Überblick zum Thema Volksmedizin heute" für einen regionalenLandschaftsbereich hier im konkreten Fall für den westfälischen Raum bieten.Sie dürfen aber als Grundlage für eine weitere wissenschaftliche Beschäftigung mitdiesem Thema- vielleicht in Form kleinerer Monographien gewertet werden.Ähnliche Befragungen werden gegenwärtig auch von Studierenden des Instituts fürVolkskunde an der Universität Graz durchgeführt, deren Ergebnisse in verschiede-nen von der Rezensentin betreuten Dissertationen in absehbarer Zeit vorgelegt wer-den sollen. Es wäre eine lohnende Aufgabe, die Ergebnisse solcher Studien im euro-päischen Raum in einem interdisziplinären Fachgespräch einmal zu diskutieren, umdie Tendenzen heutiger Volksmedizinforschung aufzuzeigen und eine wissenschaft-liche Bearbeitung voranzutreiben.

Elfriede Grabner

Isabella Wippel, Schabbock, Trud und Wilde Jagd. Sagen aus dem südwest-steirischen Grenzland. Graz, Verlag für Sammler,( 1986), 285 Seiten, illustriertmit Zeichnungen von Hans Wippel.

Ultner Lichtstunde. Entrisches- Sagenhaftes- Lustiges, gesammelt von JosefLösch. St. Gertraud, Ulten 1985, 95 Seiten, illustr.

Die Veröffentlichung von Sagen und Volkserzählungen erscheint heute eigenarti-gerweise problematischer als je zuvor, und die zahlreichen Rückgriffe und Reprintsalter Sagensammlungen sprechen diesbezüglich eine sehr deutliche Sprache. In derTat stellen schon die Aufsammlung und die Behandlung solcher Texte allein viele

339