Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
317
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Literatur der Volkskunde

Helga Schultz( Hrsg.), Der Roggenpreis und die Kriege des großenKönigs. Chronik und Rezeptsammlung des Berliner Bäckermeisters JohannFriedrich Heyde 1740 bis 1786. Berlin, Akademie- Verlag, 1988, 159 Seiten, Abb.Eine der seltenen schriftlichen autobiographischen Quellen aus dem 18. Jahrhun-dert liegt hier vor, selten vor allem deswegen, weil sie von einem einfachen Bäcker-meister verfaßt wurde. Tagebuchartige Aufzeichnungen, ergänzt durch eine Samm-lung von Rezepten geben hier Aufschluß über das Leben einfacher Leute im Berlinzur Zeit der preußisch- österreichischen Kriege.

Die Herausgeberin leitet ihr Buch mit einer aufschlußreichen Einführung ein, inder sie über die Lebensumstände der Bäckersfamilie im Kontext der historischen undsozialen Gegebenheiten Auskunft gibt. Die Chronik selbst hat sie neu gegliedert undin Kapitel unterteilt: Familiäres, Chronik( Was sich seit Anno 1740 allhier in Berlinund sonsten in unsern Lande zugetragen auch sonsten andern Seltenheiten von michJohann Friedrich Heyde aufbehalten worden wie folget) und Rezepte. Der TeilFamiliäres gibt Auskunft über die engeren Lebensumstände, über Geburten, Heira-ten, Todesfälle, Arbeiten am Haus und Geschäftliches. Die Rezepte umfassen nebenAnleitungen zur Herstellung verschiedener Getränke( Einen lieblichen MagenAquavit, Zimet Wasser, Ein gutes Wasser das der Prinz von Oranien täglich vor sichgebrauchet usw.), volksmedizinische Rezepturen gegen die verschiedensten Leiden( Eine Grind Salbe, Magen Elixier, remedium vor die Brust und Husten) oder füralltägliche Bedürfnisse( Das Haar schwarz zu machen, Daß man dauerhaft marschie-ren kann, Eingemachte Kirschen) bis hin zu Praktiken, die dem Volksglauben zuge-rechnet werden müssen, wie etwa Ein Getränke, wodurch einen Menschen Kräftekönnen beigebracht werden, wobei verlangt wird, ein Quart roten Weines amGründonnerstag in einen Ameisenhaufen einzugraben und im folgenden Jahr amKarfreitag wieder auszugraben.

Das Buch ist mit Abbildungen reich versehen, eine Stammtafel der Familie Heydeliegt bei, und eine Zeittafel bildet den Abschluß. Wort- und Sacherklärungen zumRezeptteil und ausführliche Erläuterungen am Rande jeder Seite ergänzen die Auf-schreibungen in dankenswerter Weise. Herausgeberin und Verlag ist für ein gelun-gen gestaltetes und überaus aufschlußreiches Buch zur Handwerksgeschichte undzum bürgerlichen Leben des 18. Jahrhunderts zu danken.

Eva Kausel

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