Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
312
Einzelbild herunterladen
 

gegenwärtig in der Konzeption und Gestaltung des neuen Heimatmuseums manife-stiert. Hier konnte der Bürgermeister anknüpfen und seinen Dank für die Stadtge-meinde abstatten. Zum Abschluß überbrachte die Präsidentin des. Landtages denDank und die Anerkennung des Landes. Mit herzlichen Worten stellte sie FranzC. Lipp das Zeugnis aus, daß er durch sein Wirken dem Land Oberösterreich eineigenständiges Profil gegeben habe.

Der Verein für Volkskunde, der mit der Herausgabe einer Festschrift zum65. Geburtstag das wissenschaftliche Werk seines Vizepräsidenten bereits würdigte,schließt sich diesen Glückwünschen herzlich an.

Franz Grieshofer

Friederike Prodinger zum 75. Geburtstag

Senatsrat Dr. Friederike Prodinger, Direktorin i. R. des Salzburger MuseumsCarolino Augusteum, feierte am 30. Mai 1988 ihren 75. Geburtstag. Im Kern derAltstadt von Salzburg, in der Sigmund- Haffner- Gasse( die aus Oberösterreich stam-menden Eltern Josef und Franziska Pühringer führten dort ein Hutgeschäft) aufge-wachsen, interessierte sie sich schon früh für Geschichte und Kultur ihrer Heimat.Nach der Matura am humanistischen Gymnasium folgte zunächst ein Studium derNaturwissenschaften, dann der Geisteswissenschaften in Wien und Graz mit denFächern Kunstgeschichte, Philosophie, Geschichte, Kulturgeographie und Volks-kunde. Die Trias ihrer verehrten Lehrer in Graz waren die Historiker FerdinandBilger, der Kulturgeograph Otto Maull und der Volkskundler Viktor von Geramb.Durch die Arbeit für ihre Dissertation Kulturgeographisches Profil durch Salzburg"lernte sie per Fahrrad das ganze Land ausführlich kennen. Das Jahr 1939 brachte diePromotion zum Dr. phil. in Graz, die Anstellung als wissenschaftliche Assistentinam von Univ.- Prof. Dr. Richard Wolfram geleiteten Volkskundeinstitut des Ahnenerbes" in Salzburg und die Eheschließung mit Dr. jur. Eberhard OttoProdinger. 1940 wurde eine Tochter geboren. Friederike Prodinger teilte ab diesemJahr ihre Tätigkeit zwischen Volkskundeinstitut und dem Salzburger Museum Caro-lino Augusteum, wo sie, zunächst ehrenamtlich, in der Volkskundeabteilung arbei-tete, um den hochbetagten Schulrat Karl Adrian zu entlasten und zu unterstützen.Karl Adrian, der Nestor der Salzburger Volkskunde, war der beste Lehrmeister.Sein unglaubliches Wissen um die Salzburger Volkskultur gab er nicht zuletzt aufausgedehnten Fußmärschen an seine junge Mitarbeiterin weiter, wie ja auch RichardWolfram der Feldforschung großes Gewicht beimaẞ.

1942 wurde Friederike Prodinger zusätzlich zum Dienst im Volkskunde- Institutam Salzburger Museum C.A. als Abteilungsleiterin für Volkskunde angestellt. IhrEhegatte wurde im November dieses Jahres in Rußland als vermißt gemeldet undblieb verschollen.

Gegen Ende des Krieges trug sie die Hauptlast der Bergungen des Museumsgutes,da es an Arbeitskräften mangelte. Im Herbst 1944 war das Museum zweimal vonBomben getroffen worden; die zum Abtransport bereitgestellten Krippen, die Hin-terglasbilder, ein Teil der Fayencen und viele andere Objekte gingen dabei verloren.Das Museumsgut befand sich damals in Kisten, die auf die Schlösser des Landes ver-teilt waren; die Direktion hatte ihren Sitz in einem notdürftig adaptierten Teil der

312