Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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entsprechend hat der Österreichische Museumstag beschlossen, ein Gremium zurSchaffung eines gesamtösterreichischen Museumskonzepts zu bestellen. Es wird sichmit folgenden Problemkreisen beschäftigen: Bestandsaufnahme der Österreichi-schen Museumslandschaft, Auflistung der wichtigsten Entwicklungsprobleme, Erar-beitung eines Anforderungsprofils zur Hebung des allgemeinen Museumsstandards,Ausarbeitung von Zielvorstellungen für die Entwicklung des österreichischenMuseums in der Zukunft d. h. Vorbereitung der Museen auf das 3. Jahrtausend."Klaus Beitl

9. Museumspädagogische( Privat-) Gespräche, 19.- 23. Mai 1988 aufBurg Wittlage( Osnabrück)

Die diesjährigen museumspädagogischen Privatgespräche standen unter demThema ,, Natur, Naturidentität und Kultur. 50 Museumspädagoginnen aus der Bun-desrepublik, der Schweiz und Österreich versuchten auf dieser Tagung, der Darstel-lung und Vermittlung von Natur in Museen auf die Spur zu kommen.

Auf der theoretischen Ebene ging es großteils um eine Begriffsklärung: Was istNatur, was ist Kultur, was ist ökologisches Lernen, was ist Ökologie im weitestenSinn? Ein Ergebnis dieser Diskussion war die Erkenntnis der Verschränkung vonNatur und Kultur. Der Mensch greift überall ein und ist seiner Natur nach ja selbstTeil der Natur; die Natur des Menschen jetzt ist aber die Stadt, die Arbeit: die Kul-tur. Diese Verschränkung war der Angelpunkt der Tagung. Die Frage dabei war, obdie Natur auch in sogenannten Kulturmuseen Heimatmuseen, historischen undtechnischen Museen und Kunstsammlungen- zu finden ist. Hier interessierte daskonkrete Verhältnis Natur- Kultur" und das Bild unserer( Natur-) Welt, das in denMuseen vermittelt wird, der Umgang mit der Natur im engeren und weiteren Sinnund welches Verhältnis die Museumspädagoginnen dazu haben.

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Die Spurensuche führte in verschiedene Museen in und um Osnabrück, so in dasneuerrichtete Naturkundliche Museum am Schölerberg, das eine interessante Aus-stellung unter dem Titel Die Stadt- auf den Spuren von Mensch und Natur" geradeeröffnet hatte. Das Kulturgeschichtliche Museum in Osnabrück, auch eben erstrenoviert und wieder eröffnet, bot einen Überblick über die Geschichte der Regionund beinhaltet auch eine volkskundliche Sammlung. Derzeit wird an einer Ausstel-lung über die Notbehelfe im Leben nach dem Zweiten Weltkrieg gearbeitet. Auchdas Westfälische Museum für Naturkunde in Münster und das Landesmuseum Mün-ster wurden besichtigt. In fünf Arbeitsgruppen und erst dann im Plenum wurden dieMuseen und Ausstellungen diskutiert, eine Organisationsform, die es erlaubte, sehrintensiv und in die Tiefe gehend zu diskutieren.

Eher selten: Bei dieser Tagung gab es nur einen Vortrag, und zwar von GerhardBecker über Ökologisch orientierte Bildung( auch) an Museen?". Er ging davonaus, daß die bürgerliche Trennung von Kultur und Natur letztlich zur Zerstörung bei-der führt und entwickelte Thesen zur Überwindung der ökologischen Krise. Eineökologisch orientierte Kultur- und Bildungsbewegung tut not, die vielfältig seinmüßte und durch Widersprüchlichkeit geprägt- auch gegenüber der Natur. DieAufgabe der Museen wäre es, das fachliche Selbstverständnis problemorientiert zuerweitern, sich demokratisch zu öffnen und mit fachlich kompetenten und inhaltlichbetroffenen Gruppen zusammenzuarbeiten.

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