nents stärker war als im Zentrum und im Norden. Ähnlich dem Volksbuch von densieben weisen Meistern geht es darin um beispielhafte Lehren, die jedoch keineswegsin spröden Sentenzen bestehen, sondern in spannenden Einzelgeschichten dargebo-ten werden.
Pögl ist es vorzüglich gelungen, den quicklebendigen Stil, dem man anmerkt, daßdas Buch nicht nur zum stillen Lesen, sondern zum Vorlesen gedacht war, wiederzu-geben, ohne ihm etwas von seinen charakteristischen Eigenschaften zu nehmen.Dazu gehört auch, daß alles Schwankhafte zwar witzig und dennoch zurückhaltendformuliert ist. Italienische Versionen neigen demgegenüber eher zur Übertreibung.
Wichtig ist die sachlich sehr präzise Einführung, in der Pögl unter anderem zu demErgebnis kommt:„ Der Vergleich der MF 1703( des rumänischen Manuskripts von1703) und der Druckfassung von 1834 mit der deutschen Übersetzung der griechi-schen Vulgärfassung läßt deutlich erkennen, daß bei der Tradierung des Stoffesinnerhalb der rumänischen Literatur immer wieder auf den griechischen Basistextzurückgegriffen wurde..." Geändert hat sich nach Pögls Auffassung die Funktion,welche zu einer Reduzierung der ethischen Maximen geführt hat.
Dankbar begrüßt man auch die Beifügung eines Typen- und Motivregisters, wobeifreilich zu bemerken ist, daß die Klassifizierung gelegentlich einen Text strenger fest-legt, als es das Gleichnis im Original tut. Wie sehr das funktionelle Gewicht schwan-ken kann, zeigt in der Volksliteratur vieler Landschaften das Motiv von Josef undder Frau des Potiphar.
Pögl erinnert schließlich mit gutem Grunde auch an die parodierende Paraphrase,die der namhafte Prosaiker Mihail Sadoveanu 1940 in seinem„, Divanul persian" demSindipa gewidmet hat. Die Rezeption des Stoffes hat ja durch Jahrhunderte in glei-chem Maße literarische wie mündlich überliefernde Erzähler beansprucht.
Insgesamt bedeutet das Büchlein eine Erweiterung unserer Kenntnisse hinsicht-lich der Aufnahme von Volksbuchkomplexen in Südosteuropa. Dadurch wird aucheine gewisse Vorliebe für Märchen verständlich, wie es mit dem bereits 1797 aufge-zeichneten Text„ Geschichte eines weisen Helden" festgehalten worden ist, dasunmittelbar aus der mündlichen Tradition Rumäniens gegriffen wurde.
Felix Karlinger
Roberto Martínez Bonet, El principe, la bruja y el ángel Cuentos delpueblo. Sta. Rosa 1985, 224 Seiten.
Südamerikanische Volksmärchen wurden in Europa mehrfach übersetzt und her-ausgegeben. In Südamerika publizierte europäische Märchen sind rarer. Der vorlie-gende Band kommt aus Uruguay und berücksichtigt die einzelnen Länder der AltenWelt sehr unterschiedlich. Quellen werden keine angegeben, doch kann man aus denTexten erschließen, daß vor allem Fernando Palazzi( Enciclopedia della fiaba), die,, Collection de contes et chansons populaires" und die„ Märchen der Weltliteratur"verwendet worden sind.
Soweit würde eine bibliographische Notiz dem Bändchen Genüge tun; aber es ent-hält eine Überraschung. Ein Drittel der Texte( 69 Seiten) stammen aus Spanien.Diese Geschichten unterscheiden sich nicht nur in der Frische von Sprache und Stil
225