Nach einer umfangreichen Einleitung bringt der Verfasser die Weistümer von 71Dörfern aus dem Zeitraum von 1581 bis 1846. Jedes Dorfweistum hat eine eigenespezifische Note. Aus Siebenbürgen sind uns auch sächsische und rumänische Dorf-weistümer bekannt, die alle mit den von J. Grimm veröffentlichten Weistümern ver-wandt sind. Hierher gehören auch die österreichischen Weistümer sowie die Doku-mente des altnorwegischen Bauernrechts. Der Verfasser vertritt die Ansicht, daß dieszeklerischen Dorfweistümer keine„ Nachempfindungen“ oder Entlehnungen sind,sondern notwendige Produkte der szeklerischen Dorfgemeinschaft. Immerhin sollteim Rahmen weiterer Forschungen die westeuropäische Verwandtschaft der szekleri-schen und sonstigen ungarischen Dorfweistümer untersucht werden. Hierzu wäre eserforderlich, daß dieses hervorragende Werk in deutscher Sprache erscheint oderallenfalls der Verfasser die Szekler Dorfweistümer in einer umfangreichen fremd-sprachigen Abhandlung schildert. In diesen Dorfweistümern finden wir jedenfallsdie ersten Spuren von zahlreichen volkstümlichen Rechtsbräuchen der Szekler sowieihrer Wirtschaftstätigkeit aus der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart.
Es bleibt zu hoffen, daß die Arbeit von I. Imreh vor allem die Aufmerksamkeitder ausgezeichneten österreichischen gesellschafts- und wirtschaftsgeschichtlichenSchule( A. Dopsch, F. Tremel, M. Mitterauer) erwecken wird.
Béla Gunda
Marianne Klaar, Die Pantöffelchen der Nereide. Griechische Märchenvon der Insel Lesbos. Kassel, Erich Röth Verlag, 1987, 216 Seiten.
,, Hedwig Lüdeke glaubte schon 1937 feststellen zu müssen, daß es auf Lesbosaußer satirischen Zweizeilern, nichts Bodenständiges mehr gäbe..." ÄhnlicheMeinungsäußerungen von Reisenden und ebenso von Fachleuten kann man seit 50Jahren regelmäßig lesen. Das mag für bestimmte Landschaften gelten, für andere istes lediglich ein Beweis einer falschen oder oberflächlichen Beobachtung und Sam-meltechnik. Marianne Klaar hat zwischen 1973 und 1981 auf Lesbos 120 Märchen( 120: sic!) auf Band aufgenommen, von denen das vorliegende Buch 26 enthält, dieDr. Diether Röth ausgewählt hat. Die meisten davon sind im Jahre 1977 aufgezeich-net worden. Das widerlegt gründlich die Meinung von der längst ausgestorbenenmündlichen Erzähltradition, die sich freilich in periphere Räume und Hörerkreisezurückgezogen hat, wo sie nicht immer leicht aufzuspüren ist.
,, Einem öffentlichen Märchenerzähler bin ich auf Lesbos und auch auf anderenInseln der Ägäis nicht mehr begegnet, habe aber ihre Spuren noch angetroffen"( S. 189).
Ihre Sammeltechnik hat die Autorin bereits früher beschrieben; aus ihrem vorlie-genden Nachwort sei nur eine Passage herausgegriffen:„ Ich fand Quartier im Hauseeines Briefträgers im Ruhestand... Damit ich zu Märchen komme, zog die Fraumit mir unermüdlich in dem etwas städtischen Ort bei Verwandten und Freunden,meist Handwerkerfamilien, herum, und stiftete auch ihren Mann und ihren Sohn( der ebenfalls Postbeamter und Geldbriefträger war) an, mir zu helfen. So zog derSohn zuerst Erkundigungen ein, auch in den Dörfern, die zu Kallonî gehören..( S. 181).
Von den gebotenen 26 Märchentexten sind 17 von Frauen und nur 9 von Männernerzählt.„ Mit den Männern war es schwieriger, denn sie hielten sich tagsüber
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