Karpatenländer, mit denen zumindest über die griechisch- orthodoxe Kirche auch dieSakralbauten der Ostslowakei unmittelbar zusammenhängen. Wie Mayers Karte aufSeite 28 f. zeigt, erstrecken sich ja heute die Verbreitung und vermutlich auch dasehemalige häufigere Vorkommen solcher Bauten über die Berg- und Waldgebieteentlang den Nord- und Ostgrenzen der Tschechoslowakei, etwa von Reichenberg/Liberec bis in die Ost- Beskiden( Ruský Potok), während die Binnenräume und derWestrand mit dem Böhmerwald davon weitgehend frei geblieben sind. Schon dieAbbildungen zeigen sehr deutlich den starken formalen Übergang vom Westen mitNordostböhmen und Nordmähren über Schlesien in die mittlere und Ostslowakei.Während die älteste erhaltene Holzkirche, die Friedhofskirche Mariä- Himmelfahrtzu Braunau/ Broumov in Ostböhmen, aus der Zeit 1450/51 stammt, gibt es jedoch fürdie Ostkirche in der Slowakei nur drei Objekte aus der Mitte bzw. dem späteren17. Jahrhundert; auch dieses Altersgefälle scheint mir bezeichnend und spricht fürdie unmittelbarere Lebendigkeit sakraler Holzarchitektur im Osten bei den Unita-riern und Orthodoxen bzw.- aus ganz andern Gründen- bei den Protestanten derMittelslowakei.
Die sehr bemühte historische Topographie der Holzkirchen in der Tschechoslowa-kei, die hier bei V. Mayer zunächst den Bestand nach Ländern sowie nach Alters-schichten untergliedert, verdeutlicht nur die ungewöhnliche Vielfalt der Denkmälernach Alter, Bauform, Konfessionszugehörigkeit und äußerer Gesamterscheinung.Diese setzen schon im 15. Jahrhundert ein und sind über die ganze Neuzeit bis ins20. Jahrhundert herauf verstreut. Kein größerer Irrtum daher, in diesen Bautenetwa ein einheitliches Phänomen sakraler Holzarchitektur in den hier behandeltenLändern sehen zu wollen. Schon die landschaftliche Orientierung ist für den, der mitden böhmischen und slowakischen Gebieten weniger vertraut ist, nicht ganz einfach.Die Verfasserin verwendet im Text die heutigen Ortsnamen, nur im Ortsnamenregi-ster am Schluß findet man fallweise auch die älteren( ehemaligen)„ deutschen" Orts-bezeichnungen beigefügt. Daher ist für den Benützer außerhalb der ČSSR die Ver-breitungskarte( Abb. 22) mit entsprechenden Ortslisten und Zahlenverweisen hilf-reich, ja fast unentbehrlich; man vermiẞt hier allerdings einen Kartenmaßstab, umvor allem die Ortsbelege außerhalb größerer Orte oder Städte ausmachen zu kön-nen. Auf der Karte sind dann undifferenziert nur die„, von den Autoren dokumen-tierten, erhaltenen Holzkirchen“ eingetragen. Warum eigentlich hat man dieseumfassende Kartengrundlage nicht auch dazu verwendet, um eine deutlichere Über-sicht der so verschiedenartigen Baudenkmäler etwa nach deren Kirchen- und Kon-fessionszugehörigkeit, nach dem Alter, Grundrißtyp oder auch nach der sehr unter-schiedlichen Baustruktur zu geben?
Das führt uns bereits auf das weitere Kapitel„ Techniken und Konstruktionen“( S. 35-58). Eine Analyse von Baustrukturen und technischen Details dient nichtallein zur Verdeutlichung bestimmter Bautraditionen, sondern sie wird im Sinne derheutigen ,, Gefügeforschung“ als ein wichtiger Schlüssel zur Beurteilung eines Bau-werkes nach Alter und baulicher Entwicklung verstanden, über den meist erst derWeg auf das eigentliche„ Sinngefüge" desselben hinführt. Technische Details müs-sen daher und können nur vor einem weiteren Umgrund vergleichender historischerForschung( Bauforschung wie Hausforschung und Architekturgeschichte) verstan-den werden. Der interessierte Leser wird sich daher fragen müssen, worin letztlich,, die starke Verbindung sakraler Holzarchitektur mit heimischer Volksbautradition"als„, eines ihrer wichtigsten Merkmale"( S. 35) hier besteht? Schon die Verbrei-
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