Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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einfache( r) Frau/ Mann für ihn nicht schwierig zu überwinden ist. Sein Interessegalt in diesem Buch vor allem dem Wandel einer kleinen ländlichen Gemeinschaftseit den fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts, den Veränderungen der Hierarchienund Strukturen, der Wirtschaftsformen und des Zusammenlebens.

Nach einer kurzen Einführung zur geographischen Lage und zur historischen Ent-wicklung von Spital am Pyhrn unterteilt Girtler seine Arbeit in verschiedene Kapitel,wie z. B. die Kindheit, Beziehungen zwischen den Geschlechtern, die bäuerlicheArbeitswelt, die Dienstboten, Nahrung, Freizeit, Kleidung, Krankheit oder Ster-ben, Tod, Aufbahrung- Frömmigkeit und Unterhaltung.

Ausführlich erzählen ehemalige Knechte und Mägde, aber auch Bauern undGewerbetreibende aus ihrem Leben, erinnern sich an gute und schlechte Zeiten, anArmut, Not und Krieg. Während viele andere Publikationen, die auf Oral Historyaufbauen, eigentlich reine Materialsammlungen darstellen, indem sie die Lebens-erinnerungen einzelner Personen unkommentiert darbieten oder in einem Vorwortbzw. einer Einleitung über das Zustandekommen des/ der Interviews berichten undsich im übrigen mit der Wiedergabe des Gesagten begnügen, ist bei Girtler derSozialwissenschaftler immer präsent. Die Aussagen werden aufgenommen, einge-ordnet, relativiert und in ein übergeordnetes historisch- soziologisches System einge-bracht. Aus vielen einzelnen Puzzlesteinen ergibt sich so das Bild einer Bergbauern-gemeinde im Wandel der letzten Jahrzehnte, ein Bild, das sicher nicht Allgemeingül-tigkeit hat, aber doch Strukturen zeigt, die symptomatisch sind. Wie er in einer sehrangeregten Diskussionsveranstaltung anläßlich einer Lesung aus seinem Buch imÖsterreichischen Museum für Volkskunde festgestellt hat, geht es Roland Girtlerauch nicht darum, Festschreibungen zu versuchen, unbestreitbare Wahrheiten zufinden, die es schließlich gar nie geben kann, sondern einen lebendigen Dialog zuführen über Fach- und Gesellschaftsgrenzen hinweg, anzuregen und aufmerksam zumachen, Diskussionsstoff zu liefern und vielleicht dadurch auch Betroffenheit zuerreichen.

Eva Kausel

Vera Mayer, Holzkirchen Neuentdeckte Baukultur in Böhmen,Mähren, Schlesien und der Slowakei. Wien- München, Herold Verlag,1986, 192 Seiten, 232 Abb.( Repros, Zeichnungen, 194 Fotos, 1 Karte).Sakrale Holzarchitektur im östlichen Mitteleuropa fasziniert, wie jedes Bauwerkin Holz, den Betrachter unwillkürlich. Schon seit 1856 befaßten sich daher Architek-ten und Denkmalpfleger im Rahmen der Central- Commission für Denkmalpflege inWien mit der, Erforschung und Erhaltung" dieser Baudenkmale. Sie wurden eigent-lich bahnbrechend für die um 1890 einsetzenden größeren architektur- und kunstge-schichtlichen Arbeiten gerade in den verschiedenen Kronländern der ehemaligenösterreichisch- ungarischen Monarchie, namentlich in Böhmen, Mähren, Schlesien,Galizien und der Bukowina sowie auch in Ungarn. Noch nach dem Ersten Weltkriegerschienen daher in Österreich wie außerhalb Monographien zu einzelnen Kirchen( J. Hefty, Die Käsmarker Holzkirche; Käsmark 1933) und Zusammenfassungen indeutscher Sprache und Übersichtsdarstellungen( O. Kletzl, J. Strzygowsky, W. R.Zaloziecky, H. A. und E. Zobl). Daneben entwickelte sich die Forschung in derTschechoslowakei seit Č. Zîbrt und dem bedeutenden Bauforscher V. Mencl immer

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