Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
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landschaft hinzuweisen, also einen namhaften Beitrag zum Hausen und Wohnen desBerg- und Hüttenarbeiters in unserem Bereich zu liefern.

Vom gleichen Verfasser stammt weiters der Beitrag Zur Volkskultur des Berg-und Hüttenmannes im Pongau mit einer Reihe historischer Fotos und einem nützli-chen Überblick zur bergmännischen Volkskunde im besonderen. In beiden Fällenholt der Verfasser in sehr weites Umfeld an verfügbaren Quellen aus, wobei ihm vorallem auch wichtige historische Belegstellen aus der älteren topographischen Litera-tur Salzburgs und aus archivalischen Beständen am Herzen liegen und nicht zuletztmanche Vorarbeiten von Karl Fiala zugute kommen. Einigen seiner sprachlichenAbleitungen zu mundartlichen Sachbezeichnungen, wie Ans, Kowi/ Kogel, Asn/Dasn,, hille" oder Kar vermag ich allerdings nicht ganz zu folgen, oder es fehlendafür wesentliche Parallelbelege( in den Anmerkungen auf S 51 f.). Durchaus wert-voll aber ist, daß sich Martischnig überhaupt dem Sprachleben der Bergleute mitNachdruck zuwendet bis hin zur Geschichte des Bergmannsgrußes und zum Berg-reim, zu der vom Protestantismus geförderten Volksliteratur sowie zur Lied- undMusikpflege mit Brauch und Fest. Einen sehr nützlichen Beitrag liefert schließlichauch Renate Langenfelder Zur Kleidung von Bergleuten und Handwerkern einstund jetzt mit ihrem historisch aufgebauten kleinen Aufsatz Arbeitsgewanduntertags und unter Tage", der gewisse Stereotypen abbaut und andererseits ganzklar die tatsächlichen Verhältnisse vor dem Hintergrund eines breiteren Quellenfun-dus darstellt.

Die Volkskunde sollte sich also diese hübsch ausgestattete Schrift, um derenZustandekommen sich auch die Arbeiterkammer Salzburg zusammen mit den Auto-ren und Herausgebern bleibend verdient gemacht hat, nicht entgehen lassen. Ihr istim übrigen als Anhang auch der Katalog der Ausstellung des Museumsvereines Wer-fen zu über 200 Exponaten beigegeben. Jeden, dem es wirklich um Volkskunde"geht, wird dort eine Gruppenaufnahme von Knappen des Barbara- Stollens in Mühl-bach, ein Foto von 1904 aus dem Bergbaumuseum Mühlbach, immer wieder fesseln,dessen Menschen vom kleinen Buben bis zum Großvater von der schweren Arbeitgezeichnet sind, die ihnen ihr Leben und ihr Schicksal bedeutete, ohne alle sentimen-tale Anwandlungen, jeder fast ein Original für sich und doch alle zusammen unver-kennbar auch eine eigene, stark lokal geprägte Gemeinschaft.

Oskar Moser

Roland Girtler, Aschenlauge. Bergbauernleben im Wandel. Linz, Landesverlag,1987, 312 Seiten, Abb.

Vorliegendes Buch ist eine Ortsmonographie von Spital am Pyhrn, basierend aufInterviews mit Ortsansässigen und eigenem Erleben, also auf den Methoden von Oral History" und teilnehmender Beobachtung. Roland Girtler wuchs als Sohn desGemeindearztes in Spital im südlichen Oberösterreich auf und verfügt so über einegenaue und detaillierte Kenntnis des von ihm bearbeiteten Ortes, seiner Bewohnerund deren Beziehungs- und Kommunikationsstrukturen, ein Vorteil, der ihm ermög-licht, manches an den Aussagen seiner Gewährspersonen zu relativieren bzw. über-haupt zu wissen, wen man um was zu fragen hat und darüber hinaus ein gewisses Ver-trauensverhältnis zwischen ihm und seinen Interviewpartnern herstellte. WerRoland Girtler kennt, kann sich auch vorstellen, daß die Barriere Akademiker-

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