Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
212
Einzelbild herunterladen
 

transkribiert sind, was die Lesbarkeit auf den ersten Blick erleichtert, bei Benützungeines Textes in diesen Sprachen aber ein neuerliches Umschreiben nötig macht.

Barbara Mersich

Fritz Hörmann, Michael Martischnig( Red.), Arbeitswelt im Pongau. DerMensch in Bergbau und Hüttenwesen von der Bronzezeit bis ins 20. Jahrhundert.Hg. v. Museumsverein Werfen. St. Johann im Pongau- Wien, ÖsterreichischerKunst- und Kulturverlag, 1987, 120 Seiten, Abb.

Es ist eine verbreitete, aber durchaus irrige Annahme, daß die alpine Welt seitalters allein Domäne( berg) bäuerlichen Lebens und Wirtschaftens gewesen sei.Bereits in der Bronzezeit drang der Mensch auf der Suche nach Bergschätzen undErzen tief in unwirtliche und lebensfeindliche Regionen der Alpen ein, und bis her-auf in die jüngsten Dezennien suchte er sich dort als Berg- und Hüttenmann, Holz-und Transportarbeiter allen Schwierigkeiten, Mühsalen und Entbehrungen zumTrotz zu behaupten.

Es scheint mir überaus verdienstvoll, daß mit diesem Buch in durchaus seriöserund gültiger Art einmal einer allzuschnell und leicht vergessenen Arbeits- undLebenswelt eines weiten und mannigfaltigen Bergreviers in den Zentralalpen Salz-burgs ein schönes, bleibendes Denkmal mit einer wissenschaftlichen Dokumentationgeschaffen wurde. In ihr wurden acht Beiträge verschiedener Autoren zusammenge-faßt, in denen einerseits die wechselvolle Montangeschichte der Pongauer Reviereaußerhalb von Gastein- Rauris erfaßt und behandelt wird, andererseits die Sied-lungs- und Baukultur, das Wohnwesen und die besonderen kulturellen Äußerungenund Lebensformen dieser Reviere dargestellt werden, dies richtigerweise aber nichtohne auch auf die äußeren Lebens- und Arbeitsbedingungen der Berg- und Hütten-leute sowie auf die sozialen Verhältnisse bis herauf in die Umbrüche der Industriali-sierung und in die Entwicklung der Arbeiterbewegung näher einzugehen. So ent-steht gerade für die volkskundlich relevanten Beiträge, die Michael Martischnig inbewährter Umsicht und Gründlichkeit beisteuert, ja erst der wirtschaftsgeschichtli-che und sozialhistorische Hintergrund, vor dem alles das gesehen werden muß undverständlich zu machen ist.

Neben diesen montan- und sozialhistorischen Beiträgen über die äußeren Rah-menbedingungen für die verschiedenen Pongauer Reviere stehen die, welche volks-kundlich intendiert und für die Bergbauvolkskunde Salzburgs unmittelbar vonBedeutung sind. So behandelte Michael Martischnig in seinem Abriß zur Geschichtedes Kupferbergbaues im Großarltal vor allem auch die mit diesem zusammenhän-gende und von diesem bewirkte Siedlungstätigkeit und-weise der Großarler Berg-leute und deren Hausen neben der dortigen bäuerlichen Bewohnerschaft, wobeiauch die eigenartigen Beziehungen zwischen beiden Schichten der Bevölkerungnicht außer Betracht bleiben, die sich allein schon im äußeren Siedlungsbild und inder Wohnform deutlich abzeichnen. Martischnig hebt indessen die Konturen nochschärfer gegeneinander ab, wenn er an zwei Einzelbeispielen die Bergknappen- undSchmelzerwohnstätten in diesem Gebiet sehr detailliert beschreibt und zugleich aus-führlich kommentiert und dabei nicht versäumt, einmal auf die besondere Bedeu-tung der Kleingüter, Sölden und sogen. Keuschen innerhalb der alpinen Siedlungs-

212