Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
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billige Magazinerzeugnisse mit Nußbaumfurnier etwa an die zurSpezialität gewordene Berliner Ware- angepaßten Produkte desausgehenden 19. Jahrhunderts². Vielleicht verstellten die Kunstge-werbebewegung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, späterdann auch der Jugendstil, den Blick auf die erwähnten imitierendenZierweisen, die mit den oft genug verkündeten Prinzipien derMaterialehrlichkeit handwerklicher und industrieller Erzeugnisseoder der Funktionsgerechtigkeit der Formen und Dekore nicht inEinklang zu bringen waren.

Zwar ist für Fragen der Bewertung von imitierenden Materialienoder Dekoren Gustav E. Pazaureks Schrift über den guten undschlechten Geschmack im Kunstgewerbe( 1912) zu fast kanonischerGeltung gelangt³, jedoch reichen die Verdikte und Argumentatio-nen gleicher Zielrichtung in die Zeit um 1860 zurück. Damalsschrieb Jakob Falke, später Kustos und Direktor des Österreichi-schen Museums für Kunst und Industrie, Wien, vor allem aber aucheinflußreicher Autor in Fragen des ästhetischen Lebensstils, in der, Wiener Zeitung:

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Die erste Anforderung ist nur die der Wahrheit schlechthin. Wer einenBierkrug aus Thon macht, soll ihn nicht anstreichen, daß er den Schein einesHolzgefäßes, einer Faßbinderarbeit gewinnt; er wird dadurch weder schönernoch edler. Das heißt auch so viel, jedes Gewerbe soll in seinen Grenzen blei-ben und die Arbeit eines anderen nicht da erheucheln, wo es sie nicht braucht.Weiter, wer sich Möbeln aus Eichenholz machen läßt, soll sie nicht durchkünstliche Mittel zum Schein von Mahagoni oder welchem Holz immerumstempeln wollen, selbst, wer eine Thür von Tannenholz hat, streiche sienicht an in Weise des Eichenholzes: das eine wie das andere hat die gleicheBefähigung in richtiger Benutzung zum Gesammteindruck einer Wohnungmitzuwirken, und die Solidität wird nicht dadurch gebessert. Noch wenigeraber soll man Holzgeräthen sog. marmorirten Anstrich geben- es glaubt esihnen doch Niemand, oder gar, um einen Schritt in die reine Kunst hinüberzu thun, Holzfiguren bronciren ,, weil Bronce schöner und kostbarer sei', wieman das zu Nürnberg in der Jakobskirche sehen kann." 4

Wie so oft aber gingen solche programmatischen Äußerungenaus Kreisen der sich formierenden Kunstgewerbebewegung an dentechnischen Möglichkeiten, den wirtschaftlichen Gegebenheiten,den sozialen Bedürfnissen vorbei, denn unübersehbar verband sichmit den mannigfach kritischer Betrachtung unterzogenen Nach-ahmungen der Zweck, die Dinge des Alltagslebens oder der Reprä-sentation durch billigere oder leichter zu verarbeitende Materia-lien, durch preisgünstigere Verbrauchsgüter von gleicher Beschaf-fenheit zu ersetzen und damit breiten Bevölkerungsschichten zu-

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