Surrogate der Schreiner¹
Von Bernward Deneke
Im Zusammenhang mit den Studien zur farbigen Ausstattungvon Holzwerk findet im Vergleich zu den bevorzugt betrachtetenbildlichen Gestaltungen die Nutzung von ornamentalen Zierwei-sen, wie sie mit den Stichworten der Marmorierung, der Maserungoder allgemein der Furniermalerei gekennzeichnet sein mag, kaumBerücksichtigung. Die geläufigen Handbücher, nämlich die zahl-reichen Untersuchungen über Landmöbel, sind im Hinblick aufdiese Dekorationsweisen sehr zurückhaltend, allenfalls finden siebei der katalogmäßigen Beschreibung von Möbelbeständen Erwäh-nung, weil sie bei einer möglichst vollständigen Erfassung derStücke nicht vernachlässigt werden können.
Indessen reicht die Veredelung von Holz weiter als das Sachge-biet des ländlichen Möbels im Jahrhundert zwischen etwa 1760 und1850. Neben den Stücken landhandwerklicher Prägung sind rechtzahlreich überkommen die von der sich weithin als kunsthistorischeSektion verstehenden Möbelgeschichte vernachlässigten Einrich-tungsgegenstände aus den Bürger- und Arbeiterwohnungen derzweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahr-hunderts, die als Ableitungen fabrikmäßiger Herstellungen durchden Auftrag von Farben geschönt worden sind. Wenn man ver-sucht, die farbige Ornamentalisierung von Holz über einen länge-ren Zeitraum hin zu überblicken, ist indessen stets zu berücksichti-gen, daß die Beziehung zwischen Vorbild und dem Derivat inGestaltung und Gebrauchsbedeutung ständigem Wandel unterlag.Imitationen der für die bürgerliche Einrichtung zur Empire- undBiedermeierzeit bevorzugten Nuẞ- oder Mahagonihölzer stehen ineinem anderen soziokulturellen Kontext als die mit Farben an
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