Aber darüber hinaus sind die Geschichten für junge Leute verständlich gemacht,ohne Verniedlichung, ohne Anbiederung im Stil und ohne Eingriffe in den Sinn undin die innere Funktion des betreffenden Märchens. Beachtlich bleibt, wie Nijloveanuaus einem tiefen Verständnis für das Wesentliche der Volkserzählung den schlichtenTon hält, für Spannung sorgt und auch die Entspannung umschließt. Vorbildlich!Die Illustrationen von Laurenţiu Sîrbu sind phantastisch und ausdrucksstark, inden Farben vielleicht für unseren Geschmack- etwas zu grell.
Volkskundler als Kinderbuchautoren sind eine erfreuliche Erscheinung!
Felix Karlinger
Volkskunst. Zeitschrift für volkstümliche Sachkultur. Redaktion Dr. GertrudBenker. 10. Jahrgang, Heft 1 bis 4. München, Verlag Georg D. W. Callwey, 1987,80, 74, 74 und 72 Seiten.
Der Abschluß des zehnten Jahrganges dieser gut ausgestatteten„ Zeitschrift fürvolkstümliche Sachkultur" ist gewiß hinreichend Anlaß zu einem Hinweis auf diesein ihrer Art doch singulare Reihenschrift. Gerade weil die Sachforschung in der soge-nannten„, modernen“, kulturanalytischen Volkskunde nicht überall besonders hochim Kurs steht und man dabei scheint's völlig verkennt, daß vor allem heute im Zeit-alter eines globalen kulturellen Umbruchs nicht bloß der„, Umgang mit Sachen", son-dern deren Dokumentation gesamthaft in fachlicher Hinsicht dringender als jemalszuvor vonnöten ist, wird man daher eine solche laufende Aufsammlung von Beiträ-gen zur populären Sachwelt grundsätzlich begrüßen, wie sie nun hier bereits in zehnJahresbänden vorliegt.
Nutzen und Wert eines solchen Sammelorgans, das sich freilich eher für ein breite-res Leserpublikum öffnet und das vermutlich auch in dieser Art nur von einem sol-chen getragen werden kann, werden allein schon am Inhalt dieses einen Jahrgangesdeutlich. Hier ist der Begriff ,, Volkskunst" jenseits aller kunsttheoretischen Diskus-sionen überraschend weit offengehalten, etwa im Sinne von„ Sachkultur“ über-haupt, wie es im Untertitel heißt. Das könnte man gewiß bemängeln. Aber da fastjedes Heft in einer bestimmten Thematik abgestimmt erscheint, bedeutet es anderer-seits selbst für den Fachvolkskundler zugleich auch eine Anregung und wirkt nichtselten heuristisch interessant. Die Herausgeberin, selbst seit langem als Sachforsche-rin bewährt, versteht es denn auch immer wieder, Gegenstände anzureißen, die auchin der herkömmlichen volkskundlichen Sachforschung übergangen und kaum beach-tet worden sind. Daneben aber versteht sie es, Beiträge aus den verschiedenstenLändern und Regionen Europas von Portugal bis Polen und von England bis in dieBalkanländer heranzuholen und zugleich auch für eine tiefere historische Streuungder Gegenstände zu sorgen. Im Ganzen ergibt das ohne Zweifel einen wachsendenFundus volkstümlicher Sachwelten, an dem heute schon niemand mehr wird vorbei-gehen können.
Im vorliegenden Jahrgang befassen sich die Beiträge zunächst mit einer Reihe her-kömmlicher Handwerke und Gewerbe, wie Tischler, Müller, Hufschmied, aber auchmit Zuckerbäcker, Maultrommelmanufaktur, Knopfmacher, Glacéhandschuh-erzeuger u. ä. Hervorzuheben wäre darunter G. Meierbacher- Legl( München) über,, Grundsätzliches zur Schreinertechnik“ bei der Herstellung volkstümlicher Möbel
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