Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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Beginnen wir mit der letzteren! Wir finden einige wenige bekannte Namen- wieBettelheim, Bolte- Polivka und V. Propo-, daneben Werke, die wir kaum erwartenwürden, zumal nicht in den zitierten Ausgaben, wie Andersen in deutscher Überset-zung von 1909, dagegen sucht man vergeblich nach den wichtigsten Märchenfor-schern, seien es deutsche wie von der Leyen, Röhrich, Lüthi, Ranke-, seien esspanische( etwa Amades, Alcover oder Cortés Vásquez).

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Die einführende Studie zeigt viel Fleiß, viele Mißverständnisse und das Bemühen,bestimmte Hypothesen durch Heranziehen von Quellen, die sie stützen können, alsForschungsergebnisse zu deklarieren. Als Seminararbeit müßte man bei aller Aner-kennung des Bemühens derlei als nicht genügend zurückweisen.

Man hat vor allem den Eindruck, daß der Autor nicht nur nie eine Volkserzählungin der mündlichen Tradition erlebt hat, was ja in Andalusien bis vor kurzem nochleicht möglich gewesen ist, sondern daß ihm auch die charakteristischen Unter-schiede zwischen Volksmärchen, Buchmärchen und Kunstmärchen nicht klar sind.

Nun jedoch zu den Erzähltexten selbst! 13 Geschichten sind vom Autor selbst ver-balisiert,... elaborados por el autor a partir de numerosas versiones". Er betontweiter, daß andere Texte bisher nie ,, ni de viva voz", weder mündlich nochgedruckt erschienen sind, was wohl bedeuten muß, daß er sie selber ersonnen hat.Daß er sich sämtliche Rechte darüber ausdrücklich vorbehält, kann nach dem Vor-ausgegangenen nicht weiter verwundern.

Sieht man sich einen der elaborierten" Texte an, so wundert man sich erst recht,weil gegenüber den vielen Varianten- etwa dem Mädchen ohne Hände"- die vor-gelegte Version nur dadurch absticht, daß sie eine höhere Sprachebene zeigt. ItaloCalvino, obwohl auch seine Ausgabe italienischer Märchen nicht frei ist von literari-sierenden Tendenzen, hat gezeigt, wie man den originalen und originellen Ton erhal-ten kann.

Die sechsseitigen Anmerkungen sind unbrauchbar und geben keinerlei exakteQuelle an.

Und das alles 60 Jahre nach dem Erscheinen des vorbildlichen dreibändigen Wer-kes über und mit spanischen Volkserzählungen von Aurelio M. Espinosa!

Felix Karlinger

Ion Nijloveanu, Făt- Frumos ca Soarele. Craiova, Scrisul Românesc, 1987,111 Seiten.

Von Volkserzählungsausgaben aus dem reichhaltigen Fundus des verdientenrumänischen Feldforschers Nijloveanu war in dieser Zeitschrift wiederholt die Rede.Im vorliegenden Büchlein geht es nicht um weitere Texte seiner Magnetophonauf-nahmen, sondern um das Umsetzen solcher Geschichten als Ausgabe für die Jugend.Da wir die Erfahrung gemacht haben, daß bei solcher Überarbeitung viel Substanzverlorengeht, betrachtet man das vorliegende Büchlein zunächst etwas reserviert.Beim Lesen merkt man jedoch schnell, wie behutsam und geschickt der Herausgebermit seinen Märchentexten umgegangen ist. Bereits das Übertragen aus dem Dialektin die Schriftsprache vermag viel vom originellen und originalen Text zu erhalten.Insbesondere wird die Atmosphäre volkstümlichen Erzählens ausgezeichnet getrof-fen, wie es insbesondere die Dialogführungen zeigen.

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