lungen entsprechen. So erscheint etwa der Tod nicht als Knochengerippe, vielmehrals dunkle, langbehaarte Gestalt( fast mit dem Aussehen eines„ Struwwelpeters").Das Buch enthält zwar ein französisches Resümee, jedoch leider keine deutscheZusammenfassung der gedankenreichen Untersuchungen von Paleolog.
Wertvoll ist der ikonographische Index.
Felix Karlinger
Georg Daniel Heumann, Der Göttinger Ausruf von 1744. Neu heraus-gegeben und kommentiert von Rolf Wilhelm Brednich. Göttingen, Verlag OttoSchwartz u. Co., 1987, 137 Seiten, 30 Tafeln.
Das anzuzeigende Buch weist vielerlei Verbindungen zu Österreich auf. Nicht nur,daß man im Göttinger Straßenhandel Tiroler und Salzburger Händlern begegnet, diemit Spielzeug und anderen Waren bis nach Norddeutschland unterwegs waren.Georg Daniel Heumann, der Schöpfer des Göttinger Ausrufs, hatte, bevor er seinAmt als Göttinger Universitäts- Kupferstecher antrat, u. a. auch für die von SalomonKleiner 1724 herausgegebenen Ansichten der Stadt Wien eine Vielzahl von Kupfer-stichen geliefert. Die einzelnen von ihm stammenden Blätter, nicht nur Kirchen undKlöster, sondern etwa auch die schwarzenbergischen und liechtensteinischen Gär-ten, kann man jetzt ohne große Mühe der Bibliographie Altösterreichischer Ansich-tenwerke( Bd. II, 1982, S. 39) entnehmen, aus der man auch erfährt, daß das Klei-nersche Werk 1971 in einem Neudruck erschienen ist, allerdings ohne den fünftenTeil, der die Gärten außerhalb der Stadt wiedergibt. Von Heumann stammt aucheine sehr schöne Vedute des Hohen Marktes von Wien, auf der schon vieles zu sehenist, was ihn dann im Zusammenhang mit seinem Göttinger Ausruf wieder beschäftigthat, das lebhafte Treiben in den Straßen, die Händler mit ihren oftmals in Fässernund Bottichen zur Schau gestellten Waren und auch den Nachtwächter oder dieMarktpolizei mit dem Spieß kann man erkennen.
Den ersten Teil des Buches bilden die insgesamt 30 Tafeln der verschiedenen Auf-lagen des Göttinger Ausrufs( 25 in Farbe, 5 in Schwarzweiß), von denen 12 auch alsPostkartenserie in einer Kassette erhältlich sind. Sie zeigen sehr lebendige Darstel-lungen des Göttinger Straßenhandels und seiner Personen, so recht eine„ Volks-kunde der Straße" im Sinne Martin Scharfes: einen Scherenschleifer mit seinemGehilfen, den Bilderhändler, die Landfrau mit Butter und Eiern, den Zitronenhänd-ler u. a. m. Zwiebeln, Rettiche, Walnüsse, Pflaumenmus kamen aus der näherenUmgebung; Schollen, Uhren, Zifferblätter, Strohhüte wurden von Wanderhändlernaus der ferneren Umgebung angeboten. Sie alle, dazu der Fuhrmann und der städti-sche Nachtwächter, bevölkern Göttingens Straßen und sorgen durch ihre charakteri-stischen Rufe für ein lebhaftes und wohl auch lautstarkes Treiben in der aufstreben-den Universitätsstadt, die in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts den Straßen-händlern allgemein und der Händlerin Charlotte Müller im besonderen ein Denkmalgesetzt hat.
In einem zweiten Teil gibt der Göttinger Ordinarius des Faches Volkskundezunächst eine Einführung in Leben und Schaffen Heumanns, stellt die verschiedenenAuflagen des Göttinger Ausrufs und seine Vorgänger vor, etwa„ Les Cris de Paris",über die der so früh verstorbene Salzburger Wolfgang Steinitz ausführlich gearbeitet
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