Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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von N. Barbe drei verschiedene araires", die vor allem auch für den BrandfeldbauVerwendung fanden( Haute- Saône und Hochjura), vier vorwiegend neuere Beet-pflüge mit eisernem Pflugkörper( rechtswendig, gewölbte Streichscharen), dreiKehrpflüge mit symmetrischer Achselschar und umsetzbarem Streichbrett- sie wer-den hier als, Charrue à versoir mobile" bezeichnet-, zwei Kehrpflüge mit asymme-trischer Schwenkschar, genannt charrue à soc- coutre" bzw. populär, bonnet deprêtre, fünf Winkeldrehkehrpflüge mit doppeltem Pflugkörper oder Doppelpflüge( ,, charrue à double corps), ein Weingartenpflug und zwei Spezialpflüge für denBrandfeldbau. Der Bestand zeigt also nur wenige ältere Pflugformen mit Holzge-rippe, die früheste vermutlich aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Dennoch halteich ihn gerade für die lange und tiefgreifende Umschichtungsphase in der Landwirt-schaft des 19. Jahrhunderts für außergewöhnlich wichtig und vermutlich charakteri-stisch für Ostfrankreich aus einer Zeit, wo sich in der Pflugherstellung ähnlich wie inÖsterreich, Bayern oder Württemberg bestimmte spezialisierte Werkstätten heraus-bilden. Die Darstellungen und Beschreibungen sind gründlich und mit überlegtemSystem gearbeitet, so daß sie für den Pflugforscher eine ausreichende und wertvolleGrundlage bilden können.

Jede solche Präsentation eines vorhandenen Pflugbestandes verlangt schon vonsich aus nach einem typologisch festgelegten Ordnungsprinzip. Daß dies vor allembei einer zeitlich stark geschichteten Gerätesammlung und namentlich bei den älte-ren Arlformen nicht ganz so einfach ist, zeigt der Einführungstext und bestätigt diealte Erfahrung, daß zwischen den praktisch verwendeten Bodenbaugeräten undPflügen und den historischen Grundtypen des Pfluges in Europa breite Übergängebestehen, die jede großräumige und nur schmal belegte Formenübersicht in Fragestellen. So glaubt auch N. Barbe die erstgenannten Arln trotz gewisser Ähnlichkei-ten mit den westeuropäischen Sohlpflügen( araire dental") letztlich dem sehr alter-tümlichen Grundtyp des Sterzen- Sohlenpfluges zuweisen zu müssen, der freilichgerade in unseren Breiten Zentraleuropas sehr entschieden vom Vierseitpflug ver-drängt und überlagert wird, dem fast alle übrigen Geräte dieser Sammlung aus derFranche- Comté des 19. Jahrhunderts zuzurechnen sind. Die großen Varietäten imGebrauch dieser Pflüge hier von der Brandfeldwirtschaft bis zum intensiven Pflug-bau werden dazu ebenfalls durch die exakten und klaren Angaben der Texttafeln guterkennbar und als wichtige Funktionsangaben aufbereitet. Ich stehe nicht an, dieseKatalogmappe des Musée Populaire Comtois als einen sehr brauchbaren Anfang inder Aufarbeitung eines großen bäuerlichen Gerätebestandes besonders herauszu-stellen. Er könnte in vielem als ein gutes Beispiel für ähnliche Sammlungen undMuseumsbestände dienen.

Oskar Moser

Endre Füzes, A gabona tárolása a magyar paraszt- gazdaságokban( Getreideaufbewahrung in den ungarischen Bauernwirtschaften). Budapest, Aka-demischer Verlag, 1984, 323 Seiten, 112 Abb.

Dieses vielfach inhaltsreiche Buch ist ein Beweis dafür, daß dauerhafte Ergebnissein der Volkskunde nur durch die Geltendmachung des Prinzips des Historismuserzielt werden können; verwirft man aber die historische Perspektive, so entartendie Gesellschaftswissenschaften zur Spielerei. Die Funktionen und Strukturen, die

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