Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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tik, obwohl der Ziegelgiebel schon immer häufiger vorkommt. In manchen Dörfernsind an der Spitze des Giebels aus Brettern ausgeschnittene Pferdeköpfe zu sehen.Es leben noch die Erinnerungen an das einteilige Haus, doch sind heute die Häusergrößtenteils drei- oder vierteilig( Stube+ Küche+ Kammer oder Stube+ Küche+Stube Kammer). Die Kammertür geht auf die Laube. Die Seele des Hauses ist derin der Stube stehende schoberförmige( neuerdings pyramidenstumpfförmige) Ofen,dessen Heizöffnung nach der Küche geht. Die Ofenwand ist aus verschmiertemGeflecht oder dünnen Knütteln, doch sind auch Lehmöfen bekannt, die in Spiral-wulsttechnik gebaut wurden. Der Rezensent ist der Ansicht, daß der von I. Sztrinkóausführlich erörterte Ofen mit Kachelaugen( 15. bis 19. Jh.) die in der Stube befind-liche Feuerstätte der wohlhabenderen Schicht war, während der größere Teil derBevölkerung in der Stube nur einen einfachen Lehmofen hatte. Der Lehmofendiente zum Heizen, Backen, Kochen, Hanftrocknen und zum Dörren von Obst. Aufdem Bänkchen ringsherum saßen und schliefen die Hausbewohner. Neuerdings wirdder Lehmofen im Hof errichtet. In der Küche befindet sich ein tischförmiger Feuer-herd an die Hinterwand angebaut, hier wurde in einem Kessel gekocht, der aufeinem Dreifuẞ steht oder an der Kette mit Haken befestigt ist, oder nur in Töpfen,die neben die Glut gestellt waren. Die Küchentür besteht aus zwei Halbtüren( nachBr. Schier: Hecketür). Der obere Teil ist im Sommer stets geöffnet. Meines Erach-tens wurde die Hecketür zwischen Donau und Theiß von deutschen Ansiedlern ein-geführt.

Dem Vorangehenden ist zu entnehmen, daß das Buch von I. Sztrinkŏ vorzüglichesMaterial enthält. Die Feldforschung des Verfassers ist von lobenswerter Vielfalt. Erlenkt die Aufmerksamkeit auf solche Formen der Volksarchitektur, die von jedemmitteleuropäischen Hausforscher beachtet werden sollten.

Béla Gunda

Alan Gailey, Rural Houses of the North of Ireland. Edinburgh, JohnDonald Publishers Ltd.,( 1984), 289 Seiten, 269 Fig.( Karten, Risse, Fotos bzw.Repros).

Die äußerlich zunächst eher unscheinbar anmutenden traditionellen HausformenIrlands kennzeichnen einige grundlegende gemeinsame Charakteristika. Es sind pri-mär Erdgeschoßbauten, die im Querschnitt zunächst einen durchgehenden Raumaufweisen. Ihre Schmalseiten haben heute massive Steilgiebel und sind selten vonTüren durchbrochen; mit Ausnahme kleiner Lichtöffnungen im Dachgiebel zeigensie auch kaum Fenster. Durchgehend herrschten hier noch bis ins vorige Jahrhundertmäßig steile Weichdächer vor, die mit Stroh, Schilf oder Heidekraut auf einer Unter-lage von Rasensoden gedeckt und ursprünglich Vollwalmdächer waren, aber schonseit dem 17. Jahrhundert, offenbar auch unter englischem Einfluß, Steilgiebel be-kamen. An deren Spitzen sitzen oft an beiden Giebeln Schornsteine. Deren Anord-nung verrät schon dem Betrachter von außen ein weiteres und sehr wesentlichesAnlagemerkmal des irischen Hauses, nämlich die axiale Anbringung eines Kamin-herdes als ursprüngliche Feuerstätte des Hauses unter dessen Firstlinie, ursprünglichwohl freistehend im Innenraum, später jedoch regelmäßig als Wandkamin an einerder beiden Giebelwände. Das Bauernhaus Irlands teilt diese Regel übrigens mit wei-ten Räumen West- und Nordwesteuropas, vor allem mit den Ländern Großbritan-niens, der Bretagne und Westfrankreich bzw. Belgien.

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