Autors, die seinen Sinn für das Wesentliche und für das Detail beweisen, unterstütztwird.
Vera Mayer
István Sztrinkó, Népi épitkezés a Duna- Tisza közén( Volksarchitekturzwischen Donau und Theiẞ)(= Studia Folkloristica et Ethnographica, Bd. 22).Debrecen 1987, 136 Seiten, 75 Abb.
Die höchstentwickelte ungarische Dorfkultur( Gemüse-, Obst- und Weinbau,Agrarindustrie) finden wir im Zwischenstromgebiet Donau- Theiß. Trotzdem gibt eshier noch viele traditionelle Formen und typische Baumethoden in der Volksarchi-tektur. Dies erklärt sich durch die natürlichen Verhältnisse( zum Mauerbau geeig-nete Gerten, viel Schilf, Süßwasserkalk, Lehmboden), die südslawischen, slowaki-schen und deutschen Ansiedler sowie durch die Einzelhöfe, die von Straßen undDörfern weit entfernt liegen. Besonders einfach war die Architektur der Ansiedlerim 18. Jahrhundert. Im Jahr 1733 fand in einem Dorf auch der Gottesdienst in einerHütte mit Flechtwand, 1750 in einer Rohrhütte statt. Noch 1981 konnten wir in denEinzelgehöften mehrere Grubenbauten( Kuh- und Hühnerstall, Keller) finden. Ander Donau und der Theiß werden wegen der Überschwemmungen viele Häuser mitFlechtwand gebaut. Die Bautätigkeit wurde von den Behörden gelenkt. Im 18. bis19. Jahrhundert wurde die Errichtung bzw. Umgestaltung des Rauchfanges vorge-schrieben, das Rohrdach mußte von innen mit Lehm verputzt werden. Grubenhäu-ser bauten sich die Knechte und Schäfer, doch wissen wir auch von Heideschenken Glossar ::: zum Glossareintrag Heideschenkendieser Bauart.( Die Heideschenken Glossar ::: zum Glossareintrag Heideschenken waren typische Gebäude der ungarischen Puẞta,doch dürfte wenigen bekannt sein, daß einige nach den Plänen deutscher Baumeistererrichtet wurden.) Die Grubenhäuser wurden mit einem Pfettendach( Sochadach)gebaut. Erinnerungen an die Rohr-, Flecht- und Balkenwand sind noch vorhanden.Die letztgenannte Wandtechnik hatten wahrscheinlich deutsche Ansiedler( 1806,Dorf Soltvadkert) aus ihrer Altheimat mitgebracht. Eine eigenartige Form derLehmwand: 70 bis 100 cm lange Lehmwalzen werden auf das Pfahlgerüst senkrechtoder waagrecht geflochten und sodann geglättet. Auch aus feuchten Lehmklumpenvon der Größe eines Kinderkopfes kann die Lehmwand gebaut werden. Eine weitereVariante der Lehmwand: Schlammiger oder feuchter Lehm, mit Spreu vermischt,wird mit der Mistgabel stufenweise bis zur entsprechenden Höhe aufgetragen unddie so entstandene Wand mit Spaten oder Axt glatt, geschoren“. Oder: Der mit Rütt-stroh, Stroh und dünnem Reisig vermischte feuchte Lehm wird zwischen zwei Bret-tern eingestampft; auch diese Wand wird stufenweise gebaut, wobei die Bretter jenach Bedarf immer höher gestellt und schließlich entfernt werden.( Vgl. Br. Schier,Hauslandschaften und Kulturbewegungen im östlichen Mitteleuropa. Göttingen1966, S. 91–92.) Wände baute man auch aus Rasenziegeln, Luftziegeln und neuer-dings auch aus Backstein. Die Rasenziegel werden mit der grasigen Seite aufeinan-dergelegt. Aus Süßwasserkalk baute man nicht nur Bauernhäuser, sondern auch Kir-chen. Dieses Baumaterial wurde von sachkundigen„ Steinbrechern" ausgebrochen.Das Dachwerk der Nebengebäude ist auch heute noch oft ein Pfettendach mit First-säule. Das Sparrendach wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts allgemeingebräuchlich. Auch heute sind noch zahlreiche mit Schilfrohr gedeckte Dachgerüstezu sehen. Die Geräte und die Technik der Rohrdeckung würden eine eigeneAbhandlung verdienen. Der Giebel ist eine Brettwand mit eigenartiger Ornamen-
97