ihrer Herkunft fragte, mit Támdoli= slow. tam dolj„ dort unten“ antworteten, undals Gegenstück dazu„ Tamléschi“( träger, unbeholfener Mensch, von tschech. tamleži= dort liegt er/ es) usw.
Alle Stichworte sind soweit als möglich nicht nur lautgeschichtlich und semasiolo-gisch behandelt, sondern haben auch sachkundliche und wortgeschichtliche Kom-mentare, so daß für den interessierten Benützer des WBÖ gerade auch volkskund-lich sehr viele und, soweit wir sehen, treffliche Informationen geboten werden. Manwird dafür nicht zuletzt den einzelnen Bearbeitern dieses Mundartlexikons sicherlichsehr dankbar sein.
Oskar Moser
Robert Kurij, Nationalsozialismus und Widerstand im Waldviertel.Die politische Situation 1938-1945(= Schriftenreihe des Waldviertler Heimat-bundes, Bd. 28). Horn, Waldviertler Heimatbund, 1987, 247 Seiten.
Die Studie befaßt sich mit der Zeit des Nationalsozialismus in den BezirkenGmünd, Waidhofen/ Thaya, Zwettl und Horn. 1985 als Dissertation entstanden, wirdsie nun durch die Veröffentlichung in der Schriftenreihe des Waldviertler Heimat-bundes auch einem größeren Leserkreis zugänglich gemacht. Daß der Autor das der-zeit besonders aktuelle Thema an Hand seiner engeren Heimat behandelt, ist mutig,zumal er sich nur in einigen wenigen Fällen auf das Datenschutzgesetz beruft, sichsonst aber nicht scheut, die handelnden Personen beim Namen zu nennen.
Kurij geht verständlicherweise ausführlich auf das Wirken Georg von Schönerersein und weist dabei auf die spezielle geographische, wirtschaftliche und soziale Situa-tion des Waldviertels hin. Wie in anderen Teilen Österreichs wurden nationalbetonte Tendenzen auch im Waldviertel durch die Grenzlage stark begünstigt. Kurijsieht in Schönerer einen Wegbereiter des Nationalsozialismus, als eigentlichen Vor-läufer führt er aber die 1903 in Aussig gegründete„ Deutsche Arbeiterpartei" an.Diese scheint schon früh Anhänger im Waldviertel gefunden zu haben, tritt nach1918 als DNSAP auf und schließt sich später Hitlers NSDAP an. Als Ausgangs-punkte der ideologisch politischen Propaganda sind Gmünd und Krems angeführt.Bei den Wahlen 1930 noch an fünfter Stelle kandidierend, rückt die NSDAP infolgestarker Stimmengewinne 1932 bereits hinter die Christlich- Sozialen und Sozialdemo-kraten an die dritte Stelle vor.
Alle wichtigen politischen Ereignisse der dreißiger Jahre werden besprochen undauch die verschiedenen Aktivitäten der seit 1933 in der Illegalität agierenden Natio-nalsozialisten aufgezeigt. In einem eigenen Abbildungsteil ist besonders die Zeit umden Anschluß im März 1938 durch Fotos und Zeitungsausschnitte dokumentiert undergänzt auf diese Weise anschaulich die von K. beschriebene Propagandawelle vorder Volksabstimmung am 10. April 1938.
Weiters geht K. auf die Neuorganisation der öffentlichen Verwaltung ein; dieAngleichung an die Verhältnisse im sogenannten Altreich vollzog sich rasch undgründlich. Die dauernde militärische Präsenz äußerte sich in der Erhebung Eggen-burgs zur Garnisonsstadt und der Errichtung des Truppenübungsplatzes im RaumAllentsteig- Döllersheim. Vertreter bestimmter Berufsgruppen, wie z. B. Lehrer,Gendarmeriebeamte und Pfarrer, wurden beim leisesten Zweifel an ihrer politischen
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