Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
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Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich( WBÖ). Herausgegeben vonder Kommission für Mundartkunde und Namensforschung der ÖsterreichischenAkademie der Wissenschaften, 25. Lieferung( 3. Lieferung des 4. Bandes). Wien,Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1987, Spalten385-575:( Sunn) tag-( unter) tänig.

Noch zum Jahresende 1987 ist diese neue, 25. Lieferung des WBO erschienen. Sieenthält u. v. a. den Schluß des äußerst umfangreichen Artikels ,, Tag", der wieder miteiner ganzen Reihe von Kompositen mit dem Grundwort Sonntag/ Sunntag" her-vortritt, so also Psalm-, Pfingst-, Dreifaltigkeits-, Faschings-, Fasten-, Funken-,Schutzengel- und Ostersunntag"( Sp. 387-435), die schon allein durch ihre Mate-rialfülle für die Volkskunde in Österreich zu vermerken und künftighin zu beachtensein werden. Dazu kommen weiters manche speziellen Jahrtermine, wie z. B. der,, Liebstattsunntag im Salzkammergut, den schon Matthias Höfer( 1815) für Gmun-den erwähnt und dem anderswo der Mitfasten-, Gersten- oder Pranntwein-sunntag(= 4. Sonntag in der Fastenzeit) entspricht; ferner der, Kirchweih-sonntag( Sp. 438 f.), der Kölber- weil- sunntag" nach Dreikönig( Sp. 439) und diewichtigen Artikel über Wandertag"( für die Dienstboten, Sp. 441-447) oder Werktag( Sp. 448-452), die sozialgeschichtlich und arbeitsrechtlich von Interessesind. Wie schon bisher sind stets ältere Quellen, Sekundärliteratur und Presse-meldungen der jüngsten Gegenwart eingearbeitet, so daß sich jeweils für den Leserund Benützer bereits ein historisches Überblicksbild ergibt.

Die neue Lieferung enthält auch sonst eine ganze Reihe von ausführlich erläuter-ten Artikeln, die besonders auch für die Volkskunde zu notieren wären: so für dieSachforschung etwa Dälle/ Dalle"( scherenförmige Pflugschleife in der Gottschee)( Sp. 508) ,,, Talambár( für die Tennreite im Fersental, Sp. 492 f.),, Taler I"( Mün-zen), Täller/ Teller, Damast( einfärbig gemusterter, feiner Stoff), Tamer I( Vieh-, Almpferch) und vermutlich besonders hilfreich, weil laut- und sprachge-schichtlich recht schwierig, die Stichwörter Dâhen"(= Ton, Töpfer- Erde)( Sp. 479-484), Talken( altertümliche Breispeise, Sp. 506 f.) oder Tangel", tangeln" bzw. Tangler( Sp. 569-575). Hier werden mehrfach wesentliche,sprach- und mundartkundliche Aufschlüsse zur Wortverbreitung, über Herkunftund Grundbedeutung solcher oft für den Nichtphilologen recht dunklen Wörtergeboten. Bei ,, Dâhen/ Ton könnte man auch auf die meist falsch gedeuteten bzw.verstandenen Toponyme Dachberg, Dachleiten" usw. hinweisen( Sp. 480). Bei,, talke( ch) t"( dumm, ungeschickt) denkt man an das bekannte Volkslied ,, Du, du,tålketer Jagersbua"( Sp. 504).

In das für die Volkskunde relevante Umfeld des Sozialen gehören ebenfallswichtige Lemmata, wie etwa Taler II"( Talbewohner), Dame"( vornehme Frau),,, Tamer II"( Tumult), Tamtám( Lärm) und wohl nicht zuletzt die Artikel ,, tän-deln"( Tauschhandel treiben, trödeln) mit Tändler( Trödler) sowie,( Unter) tan"( Höriger, dienst- und abgabenpflichtiger Landmann usf.)( Sp. 556–560). Nicht nursozialpsychologisch von Interesse sind schließlich die auffallend zahlreichen pejora-tiven Personsbezeichnungen wie Täger( er), Taknasch( von ungarisch taknyosrotzig ,,, Rotzbube), Talchtel, Dälderer/ Däl( l) erer, Dálfener"( Bettler,Betrüger), Tálinger"( Henker, Bettler, von jidd. taljon, taljer Henker), Talk"und talkecht, dalles"( zu hebr. dal), Talpatsch/ Tolpatsch( ungeschickterMensch, von ungar. talpas[ gesprochen: tolposch]= Infanterist, Landser), Tám-doli"( für die slowenischen Weinfuhrleute aus Luttenberg, die, wenn man sie nach

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